Sie sind boygroup, die Kommissare Kappl (Maximilian Brückner) und Deininger (Gregor Weber), und für die Akteure handelt es sich dabei um wenig dankbare Rollen (Drehbuch: Khyana el Bitar/Dörte Franke). Für sein Finale verdient sich dieser TATORT die fragwürdige Ehrung »Spukschloss im Spessart«: reichlich Kellerverliese, mumifizierte Jungmädchenleichen, großes Buhei um mittelmäßige Gruseleffekte, ein Kommissar gibt den Engel in Unterhose.
Der Film (Regie: Hannu Salonen) verbreitet Hektik ohne Ende: Gespräche finden statt, während man durch Flure hetzt, stets wird heftig gestikuliert, Kameraeinstellungen wechseln rasant, Dialoge gehen unversehens in Geschrei über, Türen knallen, ein Kommissar dreht einmal völlig durch, ein andermal heult er, sein Kollege verhört mithilfe der Faust. Wenn es richtig dramatisch werden soll, spielt schwere Musik bedeutungsschwanger und ist gelegentlich zart mit Paukenwirbel unterlegt. Diverse Gespräche oder Verhöre werden – warum nur? – durch die Lamellen einer Jalousie gezeigt oder durch den Streifen Klarglas in einer Milchglasscheibe. Fetziger Trubel und Klamauk? Ja, gewiss, unsortiert und nervtötend.
Der zweite Tatverdächtige, eine skurrile Figur, taucht aus dem Nirgendwo auf, das macht er gut und witzig (Patrick Hastert). Ähnlich der Psychologe Vogeler (Andreas Anke): noch eine Figur auf der Kippe, es passt und schnurrt. Doch der Film will nicht aus diesem schrägen Winkel gelesen sein, dazu fehlt ihm ein entsprechend durchgängiges Strickmuster. Ungereimtheiten stecken im Detail, etwa bei der Spur zum Tatort und beim Tatmotiv.
Und immer noch einmal die Einblendungen der hilflosen Mädchen, mit Kabelbinder sind sie gefesselt, zerkratzt und blutverschmiert sind ihre Beine, ach, in Großaufnahme schlimm, so schlimm. Das alles an Alarm und Action ist zu viel, zu dick aufgetragen – ein TATORT auf boygroup-Niveau, in dem nicht einmal die Türen klappen.