Sehr spannend, sehr zügig, man hält schon mal den Atem an - ein Kracher. Einige der nach dem Balkan-Krieg untergetauchten Figuren sind als Kriegsverbrecher gesucht, sie leben scheinbar integriert: flottes Lokal, geschmeidige Mädels, aufbrausende Kerle. Mit Mirko Gradic (Christoph Bach) soll jemand beseitigt werde, der damals desertierte und unter neuer Identität lebt.
Diesem paramilitärischen Milieu sind die Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) – »Ich bin im Krankenstand und brauch Ruhe« – und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) zunächst nicht gewachsen, und mitten im gemütlichen Wien läuft manches heftig aus dem Ruder. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass man dem Haupttäter nicht früher auf die Spur kommt; der aufmerksame Zuschauer dürfte klüger sein, der Film lässt es augenzwinkernd zu.
Schnupfen ist allgegenwärtig, er wird variabel und humorvoll eingesetzt. Bedrohlich wabert er von Person zu Person, ist jahreszeitenadäquat, er bändigt das rasante Tempo, und kaum jemand, der nicht ein todsicheres Rezept parat hätte. Schön auch und naheliegend, wie Kein Entkommen mit den Stereotypen des Feiglings und der harten Männlichkeit spielt. Ebenso angenehm auch die sehr verschiedenen Frauenfiguren. Starken Tobak noch bietet das Ende, das nicht ins Bild gesetzt wird und sich im Kopf des Zuschauers sortiert (Buch und Regie: Fabian Eder).
Adele Neuhauser zeigt ihre Bibi Fellner überzeugend als eine durch die Ereignisse bisweilen überforderte und liebenswürdige Figur. Und wer wünschte sich nicht, so unbefangen mit Kindern umzugehen? Sie kann es.
Bei den männlichen Ermittlern des TATORT neigt die Tendenz sich offenbar dem Mannsbild mit einer Messerspitze Misanthropie und einem Hang zum Weltschmerz zu. Kommt gut.
Foto: rbb/ORF/Pedro Domenigg