Kalter Hauch der Angst
Es stinke, behauptet der schmierige Vorgesetzte der kleinen Schule, in der Mari als Putzfrau arbeitet. »Es stinkt nach Tod.« Seine schwitzende Hand dreht den Tischventilator so, dass er direkt in das Gesicht bläst, das zu einer Maske aus stummem Zorn und verdrängter Angst gefroren ist. Jemand habe einen Monitor gestohlen, sagt der Lehrer provokativ zu Anna und rückt ihr noch dichter auf den Leib. »Einen Monitor und acht Mousepads am helllichten Tag.« Die anderen Verbrechen interessieren die Außenstehenden nicht. Sie treffen sie nicht, weder affektiv noch praktisch. Die Täter kommen nicht am Tag, wie Gesindel und Diebe, die immer Zigeuner sind, sie kommen nachts, wenn Mari, ihre beiden Kinder und der geschwächte Großvater (György Toldi) schlafen.
»Das ist nur der Wind«, flüstert Mari, als Rio draußen in der Dunkelheit etwas hört, bevor er die Augen schließt. Just the Wind flüstert der Titel von Bence Fliegaufs filmischem Prisma eines ungreifbaren Schreckens, der das verstörende Drama in einer Atmosphäre schleichenden Grauens überschattet. Der herausragende Wettbewerbsbeitrag, der den goldenen Bären wohl mehr als jeder andere verdient, entfaltet einen Sog der Angst, dass die von den Laiendarstellern mit beklemmender Eindringlichkeit verkörperten Charakteren und den Zuschauer in einen von kollektivem Hass und Brutalität bestimmte Parallelrealität zieht. Präzise Dramaturgie, instinktive Kameraführung und das erstickende Gefühl der Wahrhaftigkeit – sowohl der auf einer realen Mordserie an Roma basierenden Handlung als auch deren emotionale Wahrhaftigkeit – beherrschen Just the Wind den Sturz in eine Angstspirale aus Vorurteilen, Diskriminierung und Elend.
Schon letzte Nacht hatte Anna vor den abgedeckten Fenstern ein quietschendes Geräusch erschreckt. Es sei nur das Ferkel der ermordeten Familie, das noch in der Gegend herumstreune, sagt Anna auf dem Schulweg von einem der jungen Männer aus der Roma-Siedlung, die Schutzpatrouillen gebildet haben. Aber das Ferkel hat Rio tot im Unterholz gefunden und begraben, in einem Ersatzritual, aus dem der missachtete Schmerz der ausgegrenzten Gemeinde schreit. Bald werden es sechs tote Familien sein.
»J'emmène au creux de mon ombre
Des poussières de toi
Le vent les portera
Tout disparaîtra mais
Le vent nous portera ...«
(Noir Desire)