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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 22:29

 

Zum 30. Todestag von John Bonham

25.09.2010

Der Typ hinter den Trommeln

Heute vor 30 Jahren starb John Bonham, der drummte, wie er gelebt hat: Schnell, am Abgrund, aber mit unerschütterlich stabilem Groove. Von JAN FISCHER

 

Schlagzeuger verstecken sich ja immer gerne hinter ihren Geräten, und John Bonham war da keine Ausnahme: Gegen Ende seiner Karriere, als er alles beisammen hatte, seine Kesselpauken, seine Batterie von Congas, seine Armada aus Tom-Toms und Becken, seine extragroße Bassdrum, diesen ganzen Kram, auf den er mit den größten und schwersten Drumsticks einschlug, die er finden konnte, da sah man ihn fast nicht mehr.

 

Man hörte ihn nur noch, diese ellenlangen Drumsoli, die sich langsam, leise anschleichen, ständig auf der Kippe zu stehen scheinen, sich fragil emporschrauben zu einer urwüchsigen, organisch wuchernden Kraft,  die bis heute klingt: Phil Collins, Roger Taylor, Dave Grohl, Chad Smith, Charlie Watts, Tommy Lee, eine ganze Parade legendärer Drummer geben an, es versucht zu haben, aber niemals so gut werden zu können.

 

Man könnte jetzt die Legenden reproduzieren, davon, wie eigentlich Ginger Baker der Schlagzeuger von Led Zeppelin werden sollte, John Bonham ihn aber einfach wegdrummte, davon, wie er sich seine Telegramme nicht nach Hause, sondern in seinen Lieblingspub schicken ließ, oder davon, dass er auch mal einen eigenen Pub kaufte, und die Theke so umbauen ließ, dass er mit dem Auto bis dahinter fahren konnte. Es gibt tausende solcher Geschichten.

 

Es gibt aber auch tausende Youtube-Videos von diesen unglaublichen Bonham-Soli, bei denen man das Gefühl hat, er wüsste nie so ganz genau, was er jetzt als nächstes machen sollte, als hätte er eigentlich keine Ahnung, wie er mit diesen ganzen Trommeln klarkommen soll, das aber mit einer wahnsinnigen Sicherheit, die immer nur die immer bis ganz kurz vors Umklappen führt. John Bonhams Geheimnis war nicht seine Technik, obwohl die bis heute kopiert wird, es war nicht sein Sound, obwohl der legendär ist, es war, schlicht und einfach, der Groove, den er im Blut hatte, sein Gefühl für die Geräte, hinter denen er saß: John Bonham versteckte sich nicht hinter dem Schlagzeug. Er verschmolz damit.

 

Heute vor 30 Jahren trank John Bonham – ganz der Rockschlagzeuger - vier vierfache Wodka zum Frühstück, bevor er zu den Proben für eine Led-Zeppelin-Tour fuhr, und trank bei den Proben weiter. Da kam er aus dem Takt: Er erstickte ein paar Stunden später an seinem eigenen Erbrochenen. Er war 32, fünf Jahre zu alt für einen Rock’n’Roll-Tod. Aber vielleicht gelten solche Kategorien in seinem Fall einfach nicht.

 

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Von WOLFRAM SCHÜTTE