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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 22:35

 

Zum 120. Geburtstag von Groucho Marx

02.10.2010

Das marxistische Manifest

Er war ein Revolutionär, ein großer Denker, der unzählige Menschen zum Marxismus bekehrte. Er agierte unter Zahlreichen Decknamen: Captain Jeffrey T. Spaulding, Professor Quincey Adams Wagstaff, Otis P. Driftwood, Wolf J. Flywheel, Dr. Hugh Z. Hackenbush, Rufus T. Firefly, zuletzt schlicht GOTT. Am 2. Oktober wäre Groucho Marx 120 Jahre geworden. Von LIDA BACH

 

„Those are my priciples. If You don´t like them I have others.“

 

Am 22. März 1987 wurde in New York einem jüdischen Einwandererpaar ein Sohn geboren. Das war nicht er. Am 23. November 1988 wurde dem Paar noch ein Sohn geboren. Das war er auch nicht. Am 23. Oktober 1892 und am 25. Februar 1901 ... Nun, Julius Marx kam am 2. Oktober 1890 zur Welt, als drittes von fünf Kindern, drittältester nach seine Brüdern Leonard und Adolph - besser bekannt als Groucho, Chico und Harpo. Der Titel des 1920 entstandenen ersten seiner 26 Filme beschreibt Grouchos Humor am treffendesten: „Humorisk“. Grouchos Witz war anarchisch und doppelbödig. Tollkühne Albernheiten bargen messerscharfe Pointen.

 

,,Quote me by saying I was misquoted."

Der aufgemalte Schnauzbart, die niemals angezündete Zigarre, sein der Schwerkraft spottender Gang wurden zu unverkennbaren Markenzeichen. Doch nichts war so grouchomarxistisch wie sein Witz. Als „wahnsinnig gewordene Vernunft“ bezeichnete Groucho den Humor einmal. Der Wahnsinn der Marx Brothers hatte Methode. Vaudeville war ihre Welt. Ihre Filmklassiker bestehen aus Aneinanderreihungen von Sketchen, unterbrochen von Gesangsnummern. Brillanter Bühnenzirkus. Bravouröse Burleske. Jeder der drei verkörperte einen definitiven Charakter. Chico den mit pseudo-italienischem Akzent sprechenden Trickser, Harpo das wortlose Es. Groucho war der Hauptdarsteller, dem die meisten Witze gehörten, aus dessen Mund die unvergesslichsten Sprüche kamen. Wenn nicht militärische Ehren oder aufmarschierende Diener Grouchos Filmfiguren ankündigten, war es ihr skurriler Name.

 

Ideale Einführung in den marxistischen Humor ist ein 2007 erschienener 192 Seiten umfassender Bildband des Taschen-Verlags. Der in der Reihe ICONS erschienene dreisprachige Band Marx Bros. feiert ihre Kunst in Bildern. Eine kurze Einleitung stellt die Künstler vor. Eine Zeittafel und eine Filmografie liefern einen Werküberblick. Bekannte Sketche ergänzen Standbilder aus geschnittenen Filmsequenzen, Behind-The-Scenes Fotos und Privataufnahmen. Auf einer Aufnahme aus Love Happy hält Groucho darin eine junge Schauspielerin umschlungen, die er für ihren Kurzauftritt nach ihrem Gang auswählte. Seine Traumfrau rede wie George S. Kaufmann und sähe aus wie sie: Marilyn Monroe. „Someone who can see through women misses a lot.“, sagte Groucho. Er musste es wissen. Groucho war dreimal verheiratet und dreimal geschieden.

 

,,I was married by a judge. I should have asked for a jury."

Nur Zeppo überlebte Groucho, der unverwüstlich schien. Den Ehrenoscar für die Marx Brothers musste er 1974 allein entgegennehmen. Am 19. August 1977 starb Groucho Marx. In der Öffentlichkeit gab er sich stets frohgemut. Auf Hitlers Todesbunker soll er getanzt haben. Ein weinender Marx Brother wäre unerträglich. In At the Opera guckt Harpo traurig. Ein paar Sekunden, tragischer als der Tod von Bambis Mutter. 

 

„This is what I want on my tombstone: Here lies Groucho Marx. And lies and lies and lies ...“

 

Unsterblich war er nicht. Dafür sein Humor: „I intend to live forever, or die trying.“ In gewisser Weise ist ihm beides geglückt.

 

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