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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 22:57

Zum 100. Todestag von Leo Tolstoi

20.11.2010

Zwischen Achtung und Ächtung

“Tolstoi ging uns allen auf die Nerven: Man verstand nicht, wie er sich an das Christentum anklammern konnte, wie er Kunst und Wissenschaft gering zu schätzen schien und wie er der ganzen Welt Lehren gab. Erst allmählich kamen seine Staatsverneinung, seine konsequente Verwerfung des Militarismus, die moralische Kraft des passiven Widerstands und sein Eintreten für manche Verfolgte und Opfer zur Geltung und man fühlte, dass seine Stimme in manchen Fragen die Weltstimme der Freiheit und Menschenachtung geworden war.” (Max Nettlau)

 

Leo Tolstoi wurde in Zentralrussland geboren. Mit neun Jahren war er bereits Vollwaise. Er studierte an der Universität Kasan erst orientalische Sprachen, dann Jura. Bald jedoch brach er das Studium ab. 1851 meldete Leo Tolstoi sich zum Militär und diente fünf Jahre lang in der zaristischen Armee. Danach bereiste er Westeuropa und traf sich u.a. mit Charles Dickens und Iwan Sergejewitsch Turgenew. 1862 heiratete er die junge Deutsche Sofja Andrejewna Behrs, mit der er insgesamt dreizehn Kinder zeugt.

 

Tolstoi setzte sich dauerhaft für sozial Benachteiligte ein und besuchte politische Häftlinge im Gefängnis. Der sozialistischen Revolution stand er jedoch kritisch gegenüber. Er wurde 1901 vom Heiligen Synod exkommuniziert, weil er im Roman Auferstehung „den als Dreieinigkeit gepriesenen Gott, den von den Toten auferstandenen Gottmenschen Christus und die Jungfräulichkeit Marias leugne sowie das Geheimnis des Abendmahls lästere.“

 

Während Leo Tolstoi im Ausland als Schriftsteller gefeiert wurde, wurden einige seiner Werke in Russland verboten. Am 28. Oktober 1910 verließ er seine Familie. Auf der Reise im offenen Zug erkrankte er an einer Lungenentzündung und starb am Morgen des 20. November 1910 im Bahnwärterhäuschen von Astapowo – im Beisein der versammelten Weltpresse.

 

"Er war ein alter Mann von 82, der nur von einem geträumt hat: sich zurückzuziehen und in Frieden zu arbeiten. Er ist einfach fortgegangen, weil es unerträglich war.“ (Graf Wladimir Tolstoi)

 

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Von WOLFRAM SCHÜTTE