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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 23:06

Deutscher Menschenrechts-Filmpreis für "Iran Elections 2009"

06.12.2010

Künstlerisch überzeugend und bewegend

Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis zeichnet herausragende Film- und Fernsehproduktionen aus, die Geschichte, Wirkungen und Bedeutung der Allgemeinen Menschenrechte thematisieren. Der Preis wird im zweijährigen Rhythmus verliehen und jeweils Anfang Dezember anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte überreicht.

 

Im Iran werden Menschenrechte, Demokratie und die Freiheit von Millionen Menschen zurzeit mit Füßen getreten. Friedliche Demonstranten werden niedergeschossen. Und damit es niemand sieht, wird versucht, die Weltöffentlichkeit aus dem Land auszusperren. Diese Dokumentation erinnert an die dramatischen Ereignisse um die Wahlen im Iran im Jahr 2009.

 

Jurybegründung

Schon haben andere Schreckensmeldungen sie überlagert, die Bilder der iranischen Demokratiebewegung im Sommer 2009. Es waren Bilder von großer Eindringlichkeit, denn sie erreichten uns unzensiert direkt aus den Massendemonstrationen auf den Straßen Teherans – sie kamen über Mobiltelefone und über soziale Netzwerke, begleitet von erschütternden Erlebnisberichten verbreiteten sie sich per SMS, per e-mail, in Blogs und Internet-Foren. Unmittelbar wie selten zuvor wurde die Welt Zeuge eines demokratischen Aufbruchs – und seiner brutalen Niederschlagung durch die Mörderbanden eines Regimes machtbesessener Fanatiker, die den Islam für ihre Zwecke missbrauchen. Doch der totale Triumph blieb den Wahlfälschern von Teheran versagt. Ihr anachronistischer Versuch, die Verbreitung der Wahrheit durch Dreh- und Schreibverbote, durch Journalisten-Ausweisungen und andere Zensurmaßnahmen zu verhindern, scheiterte. Denn die Bilder und Berichte, die im Juli 2009 an die Öffentlichkeit gelangten, ließen sich nicht beschlagnahmen, nicht foltern oder auslöschen. Sie bleiben im Netz – Tag für Tag abrufbar – als permanente Anklage gegen die Täter.

 

Ali Samadi Ahadi greift auf diese authentischen Zeugnisse zurück. Fundstücke aus dem Internet:

Videosequenzen und Textfragmente aus den dramatischen Tagen und Wochen des iranischen Wahljahres – verschmelzen in seinem Film mit Augenzeugenberichten von Menschen, die das Land inzwischen verlassen haben. Vieles davon ist traurig und erschütternd. Aber vieles ist auch kämpferisch und anklagend. Und wo dokumentarische Bilder fehlen, führen Zeichnungen und Animationen den visuellen Erzählstrang weiter.

Dieser Film setzt Marksteine gegen das allzu schnelle Vergessen. Dabei wächst die facettenreich verdichtete Collage wie jeder gute Dokumentarfilm weit über den Anspruch der Erinnerungsarbeit im schnelllebigen Geschäft des Nachrichtenmarktes hinaus.

 

Intelligent montiert ordnet sie die verwirrende Vielfalt der Informationen zu einem persönlich erzählten Erlebnisbericht, der uns nicht nur Zusammenhänge und Hintergründe, sondern vor allem die menschlichen Dimensionen des Geschehens in eindrucksvoller Weise nahe bringt.

 

Ali Samadi Ahadis Film erzählt uns in der Geschichte der »grünen Revolution« das immer wiederkehrende Menschheitsdrama von der Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit. Er erzählt uns von einem hoffnungsvollen Aufbruch – und davon, wie diese Hoffnung rabiat unterdrückt und zertreten wird. Wir kennen die Geschichte, und wir kennen diese Bilder. Nicht nur aus dem Iran – auch aus Chile, Argentinien, China, Myanmar und aus jedem anderem Winkel der Welt, in der diktatorische Regimes die Menschenrechte mit Uniformstiefeln treten.

 

Dabei ist die universelle Botschaft dieses Films nicht die einer Niederlage, sondern die Überzeugung, dass Recht und Gerechtigkeit am Ende siegen und die Täter sich für ihr Handeln verantworten müssen. Und es scheint, als habe diese Hoffnung einen neuen, starken Verbündeten gefunden: die Weltmacht des Internet. Eine neue demokratische Kontrollinstanz, die nichts vergisst.

 

Die Jury hat diesem formal interessanten, künstlerisch überzeugenden und bewegenden Film einstimmig den deutschen Menschenrechtsfilmpreis des Jahres 2010 zuerkannt.

 

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Von WOLFRAM SCHÜTTE