Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 02:48

Mozart: Le nozze di Figaro (auf DVD)

20.10.2011

Von Strehler lernen heißt Regieführen lernen

Im Jahr 1980 hat der große Giorgio Strehler an der Mailänder Scala Mozarts Hochzeit des Figaro, die nach der Zauberflöte und nach La traviata, Carmen und La bohème meistaufgeführte Oper, inszeniert. Seine Interpretation war so überzeugend, dass man sie auch nach Strehlers Tod im Jahr 1997 auf dem Spielplan beließ. 2006 hat die RAI sie aufgezeichnet, und jetzt kann man sie auf DVD erwerben. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Strehler beweist mit dieser Inszenierung, dass Kostümtheater keineswegs museal oder altmodisch wirken muss. Wie der spätere Peter Stein, nimmt er Libretto und Musik ernst, versucht er nicht, sich auf deren Kosten zu profilieren. Strehler, der Meister der Commedia dell'arte, arbeitet am Figaro vor allem das Komödiantische heraus, ohne dass die politische Dimension darunter litte. Politisch ist diese Aufführung insofern, als die unteren Stände gegen die feudale Arroganz des Adels rebellieren – nicht indem sie ihn direkt bekämpfen (das war weder da Pontes, noch Mozarts Ding), sondern indem sie ihn der Lächerlichkeit preisgeben. Im Spott treffen sich die Komödie und die Aufklärung.

 

Zugleich aber vergisst Strehler in keinem Moment, dass Theater, auch Musiktheater, ein visuelles Medium ist. Seine Arrangements im Bühnenbild von Ezio Frigerio, das sich die Theatralität barocker Architektur zueigen macht und auch mit der Tiefe des Raums arbeitet, sind von pittoresker Schönheit. Dabei wird erkennbar, was eine sorgfältige Lichtregie zu leisten vermag.

 

Den Figaro spielt Ildebrando D'Arcangelo, der diese Rolle an einem großen Teil der bedeutendsten Opernhäuser der Welt gesungen hat. Die Sensation aber ist Diana Damrau in einer der attraktivsten Rollen der Opernliteratur. Sie kann als Susanna sängerisch wie schauspielerisch den Vergleich mit all den Stars aushalten, die die verschmitzte, gescheite Zofe verkörpert haben. Sie sieht aus wie Glenn Close in den Gefährlichen Liebschaften, aber aus Stein muss sein, wer ihrem verführerischen plebejischen Charme nicht verfällt.

 

Das Orchester des Teatro alla Scala unter dem Dirigat von Gérard Korsten, eigentlich spezialisiert auf Italianitá, zeigt, dass es auch Mozart mit der erforderlichen Leichtigkeit und Transparenz spielen kann. Dass ihm die innige Cavatine der Gräfin im zweiten Akt und das Duett von Gräfin und Susanna im dritten Akt besonders liegen, wird nicht verwundern. 

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Mathias Tretter möchte nicht dein Freund sein - Tourplan 2012

»Kabarettisten sind von der schnellen Truppe, zumal solche wie Tretter, die nicht dem allfälligen Comedy-Genre anhängen, sondern richtiges, politisches Kabarett machen ...« ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...