»Gewalt geht uns alle an.«
»Ein Teil des Nervs liegt bloß, ein Teil ist noch geschützt.« Das gilt nicht nur im zahnärztlichen Sinne in der mit Bildbänden und Designobjekten dekorierten Apartmentwohnung, in der Penelope (Jodie Foster) und Michael Longstreet (John C. Reilly) das Ehepaar Nancy (Kate Winslet) und Alan Cowan (Christoph Waltz). »Wir glauben, dass Kunst einen zivilisierenden Einfluss hat«, sagt Penelope. Eine doppelt ironische Pointe angesichts der verbalen Rohheit, mit der die Paare sich gegenseitig hochschaukeln und der prahlerischen Arroganz, mit der man einander die eigene Kultiviertheit und soziale Kompetenz vorhält. »Grausamkeit und Prunk«, bemerkt Nancy angesichts eines Bildbandes von Francis Bacon, bevor sie sich im Lauf der zunehmend ausartenden Runde auf eine Sammlerwerk von Kokoschka übergibt.
»Die Türen waren weit geöffnet aus einem Geist der Versöhnung heraus!«, klagt Penelope. Sind sie geschlossen wird das Kammerspiel für die Charaktere zu einer Hölle zwischen Sartre und Buñuel. Ist einer im Begriff zu gehen, fällt ein bissiger Kommentar und der Kampf geht in die nächste Runde. Allianzen werden paar- und geschlechtsübergreifend so schnell geschlossen wie zerstört. Penelopes gleichgültiger Gatte hat beständig seine kranke Mutter am Handy. Alan wiederum legt seines nicht aus der Hand. Dass der Pharmazie-Skandal, den Alan telefonisch zu vertuschen sucht, das Medikament betrifft, unter dessen Nebenwirkungen Michaels Mutter leidet, ist nur eine der Finten, mittels derer Polanski die Rollen von Täter und Opfer verwischt.