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Freitag, 25. Mai 2012 | 02:53

In Time (USA 2011)

08.12.2011

Wer hat an der Uhr gedreht?

»Hey Mister, hast du´n bisschen Zeit?« Nein, hat der Mister nicht. In Time zu sein ist für Will Salas (Justin Timberlake) und die übrigen Protagonisten lebenswichtig. Zeit ist Geld in der atemlosen Zukunftsvision, die Andrew Niccol in kaltem Retro-Chic inszeniert, im wörtlichen Sinne. Zeit ist die neue Währung der futuristischen Welt, durch die Will mit seiner attraktiven Geisel Sylvia (Amanda Seyfried) wie eine Actionfilm-Version von Momo hetzt. Von LIDA BACH

 

Coffee to go auf dem Weg zur Arbeit, die Busfahrkarte, um nach Hause zu kommen: alles kostet ein paar Minuten oder Monate, je nachdem, ob man im Luxushotel nächtigt oder im Ghetto. Dort leben Will und seine Mutter (Olivia Wilde), die keinen Tag älter aussieht als er. Genetisch gesehen ist sie es auch nicht. Die Wissenschaft hat den Alterungsprozess mit 25 angehalten. Dann, wenn nach modernen medizinischen Erkenntnissen der physische Verfall beginnt, fängt die in die Haut der Charaktere implantierte Digitaluhr an, rückwärts zu laufen. It´s the final countdown! Startguthaben ist ein Jahr. Die biologische Uhr läuft ab für die Charaktere, die für Zeit arbeiten, pokern oder andere umbringen. Zur letzten Sorte zählen die Minute Men, die Will ebenso auf den Fersen sind wie die Timekeeper. Deren unerbittlicher Veteran Leon (Cillian Murphy) verdächtigt Will, dem ein des Luxuslebens der Elite müder Selbstmörder ein paar Jahrtausende hinterlassen hat.

 

Zeit dient der futuristischen Parabel als offensichtliche Metapher für Geld. Gehortet von Bankenchefs wie Sylvias Vater Philippe (Vincent Kartheiser) garantiert das Zeitkapital einer kleinen Elite Quasi-Unsterblichkeit. Eben noch schlägt Wills Mutter aufs Dramatischste die Stunde, anderntags kann er beim Champagner-Frühstück eine Woche Trinkgeld geben. »Das ist lediglich darwinistischer Kapitalismus«, sagt Philippe. »Niemand ist Schuld daran, wie er geboren wurde.« Sei es als Eintagsfliege oder Schildkröten, die ihr Leben in ihren Panzer zurückgezogen verbringen.

 

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Um das schiefe soziale Gleichgewicht wieder gerade zu rücken, überfallen Will und Sylvia als Gangsterpaar Banken, nehmen den Reichen und geben es Witwen, Waisen und der Heilsarmee – in genau der Reihenfolge. Dass die Umverteilung von Reichtum in der Realität ein wenig schwieriger ist, interessiert nicht in der konstruierten Lovers-on-the-run-Story mit Sylvia und Will als modernen Robin Hoods, die einmal zu oft Bonnie und Clyde gesehen haben. Das absurde Verhalten der Figuren, die Wochen verschenken und im nächsten Moment um ihr Leben rennen, um in buchstäblich letzter Sekunde etwas Zeit zu ergattern, ignoriert In Time ebenso wie die Bandbreite angerissener Konflikte. »Mach nicht den gleichen Fehler wie dein Vater«, sagt Leon zu Will über dessen toten Vater. Auf die Verbindung geht der Plot ebenso wenig ein wie auf die Rastlosigkeit einer Welt voller weißer Kaninchen, die ständig auf die Uhr starren: »... keine Zeit, keine Zeit.«

 

Nach dieser filmischen Amateurpsychologie müssten Senioren vor hektischer Anspannung brennen, weil man mit Mitte Sechzig auch ohne implantiertet Digitalarmbanduhr jede Sekunde tot umfallen kann. Doch niemand müsse vor seiner Zeit sterben, lehrt der altkluge Selbstmörder Will: »Die Wahrheit ist, es gibt genug für alle.« Geld allein macht nicht glücklich und Carpe diem lautet die simple Moral des Science-Fiction-Thrillers, der seine aufgesetzte Systemkritik in gewichtige Moralfrage kleidet: »Wenn du so viel Zeit hättest, was würdest du damit tun?« Sie für bessere Kinofilme ausgeben.

 

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Unfassbar.
| von Nochmal Eli, 08.12.2011
Entschuldigen Sie vielmals, liebe(r) Eli, durch das komplette Neuanlegen des Artikels (die Unvollständigkeit haben Sie ja selbst gesehen) ist leider auch Ihr Kommenatar verschwunden ...
| von Redaktion, 09.12.2011

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