»Du solltest etwas respektvoller sein gegenüber Blackwater!«
Es ist ein Duell von überlegenem Geist gegen überlegene Kraft, nicht unähnlich dem in Stalingrad, über das David schreibt. Die erhoffte Inspiration für seinen Kriegsfilm findet er in Blackwater, wenn auch nicht in ländlicher Ruhe. Der Konflikt zwischen der durch David vertretenen städtischen Intellektualität und der Rohheit von Charlies Clique gärt in immer aggressiverem Männlichkeitsgestus. Bei der Belagerung der Summer-Farm durch Charlie und seine Freunde steigert sich der Kampf mind against matter in mörderische Extreme. »So machen wir das hier«, sagt Charlie zu David. »Du gewöhnst dich dran.«
Dies tut David, der schon vor der physischen Eskalation seine Geistesverwandtschaft mit dem reaktionären Konservativismus enthüllt. Bei Peckinpah war die unterschwellige Triebkraft der Gewalt das Animalische, das Lurie in plakative Rituale verpackt: Drohgebärden, Rudeltrieb, Revierkämpfe, Jagd. »Das ganze Jahr über ist hier Jagdsaison«, sagt einer der Männer. Wenn im Wald Schonzeit herrscht, gibt es anderes Freiwild. Zöge sie sich keuscher an, würde sie mit mehr Respekt behandelt, behauptet David gegenüber Amy, die von den Männern aufdringlich taxiert wird: »Es ist säen und ernten.«
Gleichsam gilt Davids Atheismus als Affront. Der Pfarrer habe die ganze Woche an der Predigt geschrieben, sagt Charlie. Das sei nicht nett. Der naive Infantilismus ist Teil des Dominanzverhaltens. Der extreme Machismo hat eine kindliche Komponente, die ihre Entsprechung in der lolitahaften Sexualität der Frauen findet. Die Prototypen dieser Konstrukte sind Jeremy (Dominic Purcell) und Janice (Willa Holland). Die 15-jährige Tochter des aggressiven Coachs Tom (James Woods) provoziert mit ihren Annäherungsversuchen an Niles ihre unbeabsichtigte Tötung durch den geistig Zurückgebliebenen.