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Freitag, 25. Mai 2012 | 02:54

Straw Dogs (USA 2011)

08.12.2011

»Du gewöhnst dich dran.«

»Wir reparieren es und machen es besser, als es war!«, sagt David Amy. Amy (Kate Bosworth) kommt aus dem ländlichen Kaff, wo das Paar das Haus ihres verstorbenen Vaters wiederaufbauen will. Aber sie hat Glück gehabt und den wohlhabenden David Summer (James Marsden) geheiratet. David ist erfolgreicher Drehbuchautor, Amy nur Schauspielerin in einer drittklassigen Fernseh-Show für ungebildete Hinterwälder. Alle in Blackwater gucken Amys Show. Davids attraktive junge Frau ist einer der Straw Dogs, mit denen er die Einwohner vergleicht: lokale Berühmtheiten, die, wie die chinesischen Zeremonienfiguren, kurz verehrt und dann zertreten werden. Von LIDA BACH

 

In der Neuverfilmung Sam Packinpahs Psychothrillers erhält Amys Zuordnung zu den Straw Dogs unfreiwillig dramaturgische Doppeldeutigkeit. Zu Filmbeginn versucht Regisseur Rod Lurie der Neuverfilmung nach Gordon Williams Roman The Siege of Trencher's Farm eine neue Facette abzugewinnen, indem er den Plot aus Amys Perspektive erzählt. Nachdem die voyeuristische Kamera ihren Körper in Allianz mit Amys Jugendfreund Charlie (Alexander Skarsgard) und seinen Kumpeln Bic (Drew Powell), Norman (Rhys Coiro) und Chris (Billy Lush) abgetastet und ihr sexuelles Selbstbewusstsein durch Vergewaltigung bestraft hat, widmet sie sich Davids Kampf.

 

»Du solltest etwas respektvoller sein gegenüber Blackwater!«

Es ist ein Duell von überlegenem Geist gegen überlegene Kraft, nicht unähnlich dem in Stalingrad, über das David schreibt. Die erhoffte Inspiration für seinen Kriegsfilm findet er in Blackwater, wenn auch nicht in ländlicher Ruhe. Der Konflikt zwischen der durch David vertretenen städtischen Intellektualität und der Rohheit von Charlies Clique gärt in immer aggressiverem Männlichkeitsgestus. Bei der Belagerung der Summer-Farm durch Charlie und seine Freunde steigert sich der Kampf mind against matter in mörderische Extreme. »So machen wir das hier«, sagt Charlie zu David. »Du gewöhnst dich dran.«

 

Dies tut David, der schon vor der physischen Eskalation seine Geistesverwandtschaft mit dem reaktionären Konservativismus enthüllt. Bei Peckinpah war die unterschwellige Triebkraft der Gewalt das Animalische, das Lurie in plakative Rituale verpackt: Drohgebärden, Rudeltrieb, Revierkämpfe, Jagd. »Das ganze Jahr über ist hier Jagdsaison«, sagt einer der Männer. Wenn im Wald Schonzeit herrscht, gibt es anderes Freiwild. Zöge sie sich keuscher an, würde sie mit mehr Respekt behandelt, behauptet David gegenüber Amy, die von den Männern aufdringlich taxiert wird: »Es ist säen und ernten.«

 

Gleichsam gilt Davids Atheismus als Affront. Der Pfarrer habe die ganze Woche an der Predigt geschrieben, sagt Charlie. Das sei nicht nett. Der naive Infantilismus ist Teil des Dominanzverhaltens. Der extreme Machismo hat eine kindliche Komponente, die ihre Entsprechung in der lolitahaften Sexualität der Frauen findet. Die Prototypen dieser Konstrukte sind Jeremy (Dominic Purcell) und Janice (Willa Holland). Die 15-jährige Tochter des aggressiven Coachs Tom (James Woods) provoziert mit ihren Annäherungsversuchen an Niles ihre unbeabsichtigte Tötung durch den geistig Zurückgebliebenen.

 

Wer Gewalt sät ...

Der Titelzusatz verweist auf weibliche Selbstbestimmung als vermeintlichen Verstoß gegen die Natur. Die fordert ihr Recht und macht Amy zum Opfer männlicher Gewalt, vor der sie nur mehr männliche Gewalt schützen kann. Mit dem Sexismus steht die Handlung im stummen Konsens wie mit dem verkappten Reaktionismus, der die Hinterwäldler-Ressentiments mit Sozialneid begründet. Das Original von 1971 enthüllte die Zivilisation als brüchige Fassade, hinter der Verrohung und Atavismus darauf warten, auszubrechen. Vier Jahrzehnt später scheut Lurie die Kontroverse, indem er die schwelenden Konfliktthemen übergeht. Was das grelle Remake stattdessen verspricht, verrät Charlie: »Nur eine bisschen Hinterwäldler-Weisheit für dich.«

 

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