Thomas Kistner: Fifa-Mafia von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen Eli Pariser: Filter Bubble Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 02:55

Tom Wait´s Jukebox

08.12.2011

Der Erbe von Jack Kerouac und Captain Beefheart

Pop ist eine polytheistische Religion. Sie hat viele Götter. Tom Waits ist mit Sicherheit einer davon. Wie er sich auf dem Olymp mit Elvis Presley und John Lennon, mit Bob Dylan und Janis Joplin, mit Frank Zappa und Patti Smith verträgt, wissen wir nicht, aber dass er dort residiert, steht fest. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Tom Wait's Jukebox ist nicht, wie der Serientitel suggeriert, eine Sammlung von Lieblingssongs des Musikers, Dichters und Sängers, sondern ein Film von knapp zweieinhalb Stunden Länge über die literarischen, musikalischen und stilistischen Einflüsse, die ihn geformt haben. Das reicht von Jack Kerouac und Charles Bukowski bis zu Hoagy Carmichael, Captain Beefheart, Keith Richards, Kurt Weill und den bei uns wenig bekannten Ken Nordine und Harry Partch. Die Dokumentation ist formal schlicht und schematisch. Es handelt sich um eine Folge von Interviews, die durch kurze Beispiele illustriert werden, wobei die Macher ihrem amerikanischen Publikum offenbar keine Sekunde ohne Bewegung mehr zumuten wollen. Wenn Fotos gezeigt werden, dann müssen sie von einem idiotischen Lichtspiel überdeckt werden. Da äußert sich eine Unterhaltungsästhetik, gegen die Tom Waits mit seinem Werk ankämpft.

 

Da stets Spezialisten der einzelnen Persönlichkeiten befragt werden, neigen sie dazu, deren Bedeutung für Tom Waits herauszustreichen und womöglich zu überschätzen. So wird die Verwendung des Marimbaphons einerseits dem Einfluss von Captain Beefheart, andererseits jenem von Harry Partch zugeschrieben. Und die Ausführungen über Brecht und Weills Dreigroschenoper unterschreiten das Niveau, das man bei Europäern voraussetzen darf. Sie zielen offenbar auf Zuschauer, die Brecht für ein Waschmittel halten. Trotzdem ist diese DVD ein unverzichtbares Dokument für alle Tom Waits-Fans sowieso, aber auch für all jene, die sich für die Geschichte der nordamerikanischen Gegenkultur zwischen den vierziger Jahren und der Gegenwart interessieren. Denn nicht aus jedem, der diese gegen den Kommerz anrennende Musik und Literatur rezipierte, wurde ein Tom Waits, aber er befindet sich mit seinen Vorlieben durchaus innerhalb einer Strömung, die zahlreiche Generationskollegen geprägt hat. Man muss für diesen Film allerdings gut Englisch verstehen: es gibt keine Untertitelung. Irritierend, dass die Aussagen gegen Ende nicht lippensynchron sind.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Mathias Tretter möchte nicht dein Freund sein - Tourplan 2012

»Kabarettisten sind von der schnellen Truppe, zumal solche wie Tretter, die nicht dem allfälligen Comedy-Genre anhängen, sondern richtiges, politisches Kabarett machen ...« ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...