Der Pianist, der gewiss zu den bedeutendsten Beethoven-Interpreten der Gegenwart gehört – ob er der größte ist, wie manche Liebhaber von Hitparaden meinen, ist eine müßige Frage; es darf auch mehrere Genies geben –, verzichtet auf jeglichen oberflächlichen Effekt. Er spielt virtuos, ohne den Virtuosen zu mimen. Die Faszination, die von seinem Klavierspiel und dem unübertrefflich abgestimmten Zusammenwirken mit dem Orchester ausgeht, verdankt sich den Subtilitäten, den – auch durch eine kluge Kameraführung und Regie – erkennbaren Details bei der Gestaltung der Tempi, der dynamischen Differenzierungen, der rhythmischen Präzision, des Klangausdrucks. Buchbinder hat seinen Beethoven studiert, er spielt auswendig und hat, wie wir aus dem gefilmten Gespräch erfahren, die gedruckten Partituren minutiös mit den Handschriften verglichen. In dieser Pingeligkeit ist er ein Verwandter seines Landsmanns Nikolaus Harnoncourt. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Man hört diesen Konzerten atemlos zu, und doch haben sie nichts Akademisches: dieser Beethoven ist lebendig und ergreift den Zuhörer im doppelten Sinne.
Warum eine in Wien aufgenommene Doppel-DVD eines österreichischen Pianisten mit Werken eines deutschen Komponisten Piano Concertos enthalten muss und nicht Klavierkonzerte enthalten darf, weiß allein der alles beherrschende Markt.