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Freitag, 25. Mai 2012 | 03:00

Verblendung - jetzt im Kino!

12.01.2012

Das Mädchen mit dem Seelentattoo

Es ist zu einem kleinen Hobby der Hollywood-Kinomaschinerie geworden, europäische Filme, die an Ansehen gewinnen, neu zu verfilmen. Vielleicht mag es für das amerikanische Kino unumgänglich sein, so die Stoffe ihrem Publikum präsentieren zu können. Schließlich werden europäische Filme in den USA nicht synchronisiert und müssen mit Untertiteln auskommen. Die Europäer sind den Neuauflagen gegenüber meistens skeptisch eingestellt und manchmal sogar darüber empört. David Fincher scheint es sich mit seiner Neuauflage der bereits verfilmten Bestseller-Trilogie Millennium (Stieg Larsson) zur Aufgabe gemacht zu haben, zwischen diesen vorurteilbehafteten Ansichten mal richtig aufzuräumen. Von ALEXANDER FUNK

 

Mit seinem ersten Film der Trilogie Verblendung, der im englischen den Namen The Girl with the Dragon Tattoo trägt, hat er etwas Unerwartetes geschafft: einen Hollywood-Film mit skandinavischem Flair. Die Handlung fügt sich in die Ästhetik der rauen Landschaft ebenso gut wie die beiden Hauptdarsteller in ihre Rollen. Daniel Craig und Rooney Mara, die das Ermittlerduo Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander verkörpern, begeistern in ihren Rollen des investigativen Wirtschaftsjournalisten und der punkigen Hackerin/Detektivin. Zielgenau führt der Film die Leben dieser beiden Figuren zusammen, die sich zufällig überschneiden. Aus einer Recherche wird ein Kriminalfall und aus einer Zusammenarbeit eine eigenartige Beziehung.

 

Rache im Schnee

Als Mikael Blomkvist von Henrik Vanger, einem der reichsten Industriellen Schwedens, angeheuert wird, um das Verschwinden seiner geliebten Nichte Harriet zu untersuchen, ist der Wirtschaftsjournalist zunächst eher skeptisch. Ausschlaggebend für seine Zustimmung, im bereits 40 Jahre zurückliegenden Fall die Recherche wieder aufzunehmen, ist Henriks Versprechen, Blomkvist Beweise zu liefern - Beweise über seinen Gegner, der ihn wegen übler Nachrede verklagt hat. Nicht nur Blomkvists Erspartes, sondern vor Allem seine Ehre als Journalist steht auf dem Spiel. Blomkvist willigt ein und muss bald feststellen, dass er ohne Hilfe nicht weiterkommt. Die Hilfe in Gestalt der jungen Hackerin Lisbeth Salander hat zunächst einen kleinen (faden) Beigeschmack. War sie es doch, die zunächst für Henrik Vanger Informationen über Blomkvist beschafft hat. Doch das ungleiche Paar findet zueinander und beginnt die gemeinsame Arbeit an einem Fall, der die Dämonen der Vanger-Familie an die Oberfläche holt.

Von Zwang und Befreiung handeln viele Filme David Finchers, sei es Sieben, Fight Club oder Der seltsame Fall des Benjamin Button. Diese Thematik geht dem Regisseur leicht von der Hand und ist auch in Verblendung sehr intensiv inszeniert. Das Herstellen und Auflösen von Gegensätzen gibt dem Film seine hypnotische Kraft. Die Bilder, die im Rahmen der skandinavischen Landschaft entstehen, wenn sich der Schnee wie ein Schleier über alles legt, sind zugleich kühl und bewegend, kalkuliert und emotional. Außerdem ist Verblendung ein Film über Gewalt, Rache und Kraft geworden, der diese drei Aspekte der Vorlage entsprechend klar und deutlich zeigt. Erst durch die plakativ inszenierte Brutalität werden auch beim Zuschauer Rachegelüste geweckt und eine Verbindung zu der Figur Lisbeth Salander hergestellt, für die ihre eigene Rache überlebenswichtig ist. Denn aus der Rache schöpft sie ihre Kraft.

 

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