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Freitag, 25. Mai 2012 | 03:20

 

Odna

01.02.2008

Rothschild's DVD-Tipp:

Geschichtsunterricht
„Odna“ ist ein gutes Beispiel eines Propagandafilms, was hier nicht abwertend gemeint ist. Er vermittelt holzschnittartig, stark schematisiert Werte, die für den Aufbau der gerade 14 Jahre alten Sowjetunion unverzichtbar schienen.

 

Kürzlich habe ich an dieser Stelle „Das Neue Babylon“ von Grigori Kosinzew und Leonid Trauberg empfohlen. Zwei Jahre später, ein Jahr vor der Etablierung des Sozialistischen Realismus als Dogma, drehte das Duo den Film „Odna“, der noch weitgehend als Stummfilm konzipiert war und für den Dmitri Schostakowitsch wiederum eine für das Fernsehen und die DVD rekonstruierte Musik komponierte.

Der Titel wurde mit „Allein“ übersetzt, „Odna“ heißt aber auch „Eine“ oder „Die Eine“. Der Film handelt von einer jungen Lehrerin aus einer russischen Großstadt, die gerade heiraten will, jedoch in ein Dorf fernab im Altaigebirge versetzt wird. Sie will zunächst dagegen Einspruch erheben, fügt sich dann aber dem durch Lautsprecher verkündeten Grundsatz, dass nicht das Glück einiger Weniger zähle und jeder darüber nachzudenken habe, was er für die Allgemeinheit zu tun habe – ein Grundsatz, den die kapitalistischen USA übrigens ebenso propagieren wie die damals junge Sowjetunion.

In Sibirien begegnet die junge Frau archaischen Zuständen, den Ansprüchen der früheren Herren und der Korruption der neuen Funktionäre. Sie erkennt sehr bald, dass sie sich nicht nur um die Schule kümmern kann, dass auch die Schafe, die den Lebensmittelpunkt der Menschen in der Steppe bilden, zu ihrer Angelegenheit werden. Der Film steigert sich zu einem (lückenhaften) Krimi, um dann erwartungsgemäß glücklich zu enden: die Gemeinschaft hilft der Einen, die sich ihrerseits für alle stark gemacht hatte.

„Odna“ ist ein gutes Beispiel eines Propagandafilms, was hier nicht abwertend gemeint ist. Er vermittelt holzschnittartig, stark schematisiert Werte, die für den Aufbau der gerade 14 Jahre alten Sowjetunion unverzichtbar schienen. Freilich bedient er sich auch der Argumentation, mit der jegliche Kolonialisierung gerechtfertigt wird: dass einer rückständigen, ungebildeten Bevölkerung Bildung und Kultur gebracht werden müsse. An der edlen Absicht darf es keinen Zweifel geben. Dass auch der Vorsitzende des Dorfsowjets, ein Europäer, ein Schurke ist, gehörte durchaus zum Repertoire der frühen sowjetischen Literatur und Filmkunst. Individuelle Missstände sollten aufgezeigt und beseitigt werden, um das famose Ganze zu retten.

So ist „Odna“ ein interessantes Zeitdokument, wenngleich es künstlerisch hinter „Das Neue Babylon“ zurückfällt. Ein Kuriosum sind die Lieder, in denen Stimmen aus dem Off der Heldin Kommentare zusingen wie einst die Chöre im antiken Drama.

Thomas Rothschild

Odna. arte Edition/absolut MEDIEN (www.absolutmedien.de).

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