Wenn das mal kein gelungenes Teamwork ist: „I take them, he feels them – contact high. Cheap and g'sund. A great marketing concept – wenn's nur irgendwer kapieren tät.“ In der Tat, so kostengünstig und gesundheitsverträglich sind psychedelische Rauschzustände eher selten zu haben. So gesehen ist auch Michael Glawoggers psychedelisches Roadmovie eine durchaus billige und überaus gesunde Angelegenheit. Leinwandrausch ohne Nebenwirkungen. Denn am Ende von
Contact High hat man in der Tat das Gefühl, an einem kollektiven LSD-Trip teilgenommen zu haben: mit geschrumpften Hotelzimmern, Hundetänzerinnen, Schweinepolizisten, sich verselbständigende Schmetterlingstapeten – also allem, was bewusstseinserweiternde Hilfsmittel so möglich machen.
Das Prinzip der überdrehten Komödie – in der es um eine ominös wabernde Tasche, Kulturaustausch, durcheinandergeratene Hormone und natürlich um allerlei Drogen geht – ist die Aufhebung des Prinzips. Die Tasche, die die beiden Möchtegern-Imbissbudenkönige Max Durst und Hans Wurst in Polen abholen und nach Österreich zurückbringen sollen, entpuppt sich rasch als MacGuffin. Irgendwann spielt sie ‚Bäumchen-wechsel-dich‘ mit einer anderen Tasche. Doch darum geht‘s nicht wirklich.
Viel wichtiger ist, dass hier alles aus den Fugen geraten darf: Orte, Zeit, Charaktere, Handlungsstränge. So verwandelt sich ein polnisches Provinznest (das – wie passend! – Drogomysl heißt) im Handumdrehen in eine mexikanische Mariachi-Bar. Und der von Detlev Buck gespielte schwuchtelige Autohändler mit entblößter Brust und rosa Stoffrose am Revers verwandelt sich plötzlich in eine Pietà in Hühnerfederjacke. Auch in der Filmmusik wird der fröhliche Stilmix gefeiert: Sie reicht vom 70er Jahre-Glam-Rock von Roxy Music über die Mariachi-Indie-Rockband Calexico bis hin zu den beiden Elektro-House-DJs von Tiefschwarz. Desweiteren wird herzhaft in der Film- und Kulturgeschichte gewildert. „Alice in Wonderland“ hat hier genauso ihren Platz gefunden wie
Pulp Fiction und natürlich
Fear and Loathing in Las Vegas.
Das ständige Sich-Überschlagen, das in
Contact High auf die Spitze getrieben wird, wirkt zwar streckenweise ein wenig bemüht, und manch ein Gag hat auch schon mal unverbrauchter gewirkt. Alles in allem hat der psychedelische Filmcocktail aber etwas Belebendes. Immerhin traut sich Glawogger etwas, indem er ausgetretene Pfade verlässt und sich dem schrillen, ungehemmten Fabulieren hingibt. Das allein verdient Anerkennung. Und wie gesagt, billiger wird so ein Trip garantiert nimmer.
Tamara Danicic
Contact High. A/D 2009. R,B: Michael Glawogger. B: Michael Ostrowski. K: Wolfgang Thaler. S: Monika Willi. P: LOTUS Film, Novotny & Novotny Filmproduktion. D: Michael Ostrowski, Raimund Wallisch, Detlev Buck, Georg Friedrich, Pia Hierzegger, Hilde Dalik, Alina Pölzl, Helmut Köpping u.a.
95 Min. Delphi
ab 18.6.09
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