Jeden Sommer ist wieder viel vom „Sommerfilm“ die Rede. Offensichtlich sind damit Filme gemeint, die im Sommer ins Kino kommen und deren Handlung im Sommer spielt – als ob diese Kriterien ausreichten, um so etwas wie ein Genre zu bestimmen. Sogar Maren Ades
Alle anderen wurde von einigen Seiten als Sommerfilm beschrieben – daraus spricht echte Verzweiflung über die meteorologischen Verhältnisse. Anne Fontaines
Das Mädchen aus Monaco geht dagegen schon eher als Sommerfilm, genauer „Sommerkomödie“ durch, auch wenn er sein Versprechen auf mediterrane Leichtigkeit nicht bis zum Ende durchhält. Fabrice Luchini spielt darin Mâitre Beauvois, einen eloquenten Staranwalt aus Paris, der in Monaco die Verteidigung in einem Mordprozess übernimmt, aber auch in der Begegnung mit Frauen lieber redet als macht. Nach einem Kuss mit einer Unbekannten gleich zu Beginn des Films, faselt er sich buchstäblich aus der Affäre: „Nehmen wir an, ich lade Sie auf ein Glas Wein in mein Zimmer ein. Bekäme unsere Beziehung dann nicht etwas Banales, Konventionelles?“
Vom Sohn seiner Mandantin wird Beauvais der Bodyguard Christophe an die Seite gestellt. Die beiden bilden ein recht komisches, wenn auch nicht sehr überraschendes Gegensatzpaar – hier der leicht effeminierte und geistreich plaudernde Anwalt, dort der maskuline und eher wortkarge Personenschutzbeauftragte. Im sogenannten Sicherheitsabstand folgt er dem Anwalt auf Schritt und Tritt, doch die Beziehung zwischen den beiden nimmt bald mütterliche, väterliche oder auch freundschaftliche Züge an. Als eine sexy Wetterfee und Lady-Di-Fanatikerin auftaucht und Beauvois Sinn und Verstand raubt, fühlt sich Christophe berufen, den Anwalt zu retten. Audrey, die hier als eine etwas trashige Version von Brigitte Bardot inszeniert wird, ist nämlich in erster Linie darauf aus, sozial aufzusteigen, was sie als Gewinnerin einer Reality-TV-Show auch dringend nötig hat. Beauvois, der zum unbeholfenen und törichten Kind wird, wenn die Sprache als Kommunikationsmittel nicht mehr greift, macht sich tatsächlich zum Affen und lässt sich sogar für Audreys neue Fernsehshow „Unter der Robe des Anwalts“ einspannen.
Das Mädchen aus Monaco beginnt witzig und schnell, besonders die unterschiedlichen Sprachregister von Beauvois und Christoph führen zu einigen amüsanten Szenen. Als der Anwalt seine Verwirrung angesichts einer Liebesnacht in umständlichen Ausführungen zu beschreiben versucht, antwortet sein Bodyguard trocken: „Sie sind nur flachgelegt worden, Mâitre.“ Gerne würde man den beiden bei dieser Art von Komödie weiter zuschauen, doch dann wendet sich der Film ins ‚Chabrolhafte‘, was ebenso unglaubwürdig wie ungelenk wirkt; daran kann auch Chabrol-Actrice Stéphane Audran nichts ändern. Ein Sommerfilm, der im Knast endet – das kann ja nicht gut gehen.
Esther Buss
Das Mädchen aus Monaco. La fille de Monaco. F 2008. R,B: Anne Fontaine. B: Benoît Graffin. K: Patrick Blossier. S: Maryline Monthieux. M: Philippe Rombi. P: Soudaine Compagnie. D: Fabrice Luchini, Roschdy Zem, Louise Bourgoin, Stéphane Audran, Gilles Cohen, Alexandre Steiger, Philippe Duclos, Jeanne Balibar u.a.
94 Min. MFA (24 Bilder) ab 2.7.09
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