Nein, ein Sissi-Fan sei er nie gewesen, hatte Bully Herbig vor zwei Jahren anlässlich des Kinostarts der animierten Sissi-Parodie Lissi und der wilde Kaiser noch eingestanden. Aber der Film bildete nun einmal den logischen Abschluss seiner Bullyparaden-Trilogie. Die (Fernseh-)Helden seiner Kindheit jedoch waren andere: „Winnetou“ oder „Wickie und die starken Männer“. Wer zwischen den Zeilen las, konnte damals schon ahnen, was Herbigs nächstes Projekt sein würde. Und es wurde nach Der Schuh des Manitu endlich mal wieder ein gelungenes.
Nachdem Herbig mit (T)Raumschiff Surprise das Erfolgsrezept der Winnetou-Persiflage ziemlich lustlos aufgewärmt und sich in Lissi so sehr auf den Animationslook konzentriert hatte, dass er darüber Handlung und Humor beinah vergaß, passt nun in Wickie fast alles wieder zusammen. Ansonsten aber hat die Verfilmung mit Herbigs Winnetou-Travestie kaum etwas gemeinsam. Denn während Der Schuh des Manitu die Originalfilme auf humorvolle Weise entstellte, lehnt sich Wickie eng an die Fernsehserie aus den 1970er Jahren an. Die Ähnlichkeit zwischen den realen Schauspielern und ihren gezeichneten Vorlagen ist besonders bei Waldemar Kobus als Halvar und Günther Kaufmann als „schrecklicher Sven“, der im Film Kinder aus Flake entführt, frappierend. Aber auch Casting-Sieger Jonas Hämmerle überzeugt als „Wickie“, der die entführten Kinder befreit. Wenn er aus Angst vor den Wölfen die Augen weit aufreißt oder seine genialen Einfälle mit einem strahlenden „Ich hab’s“ quittiert, erweckt er die wundervolle Vorlage zu neuem Leben.
An den überdrehten Bullyparaden-Humor erinnert höchstens noch Herbig selbst in einer Nebenrolle als königlich-spanischer Korrespondent – mit eitlem Grinsen und hochgezogener Augenbraue. Ansonsten aber wird man das Gefühl nicht los, dass sich Herbig vor allem von der letzten Asterix-Verfilmung inspirieren ließ, in der er ebenfalls eine Nebenrolle spielte. Sein Wickie und die starken Männer ist das, was die Asterix-Filme früher einmal waren: nettes, unverfängliches Familienkino.