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Freitag, 25. Mai 2012 | 03:47

Die nackte Wahrheit

01.10.2009

Vom Büromäuschen zur Sexbombe

Es ist das alte Lied: „Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.“ So jedenfalls klingt das bei Schopenhauer. In Hollywood heißt das dann: Man kann sich eben nicht aussuchen, in wen man sich verliebt. Ein ganzes Genre lebt von diesem süßsauren Dilemma, das immer wieder ungleiche Paare glücklich zusammenführt. Der australische Regisseur Robert Luketic erzählt diese oft gesehene Geschichte mit Die nackte Wahrheit jetzt ein weiteres Mal, ohne dabei neue Akzente zu setzen. Von STEFAN VOLK

 

Die Heldin seines Films, Abby Richter, ist eine junge, erfolgreiche Fernsehproduzentin fast ohne Privat- und gänzlich ohne Sexleben. Bei ihrer Suche nach dem Traumprinzen orientiert sie sich an einer 10-Punkte-Checkliste, an der bislang noch jeder gescheitert ist. Zu Kompromissen ist sie aber nicht bereit, und sagen lassen will sie sich schon gleich gar nichts. Am wenigsten vom vermeintlich „starken Geschlecht“.

Umso entsetzter ist sie, als die Chefs ihres im Ouotentief dümpelnden Senders den Megamacho Mike Chadway engagieren, der in einem lokalen Fernsehsender mit chauvinistischen Sprüchen und Lebensratschlägen für Furore sorgte und nun in das biedere Frühstücksfernsehen von Abbys TV-Station männlich-frischen Wind bringen soll. Streit ist da vorprogrammiert. Damit aber der Sendeablauf unter den Animositäten nicht leidet, schließen die beiden einen Pakt: Sollte es Abby mit Hilfe von Mikes Ratschlägen gelingen, ihren Traummann zu finden, arbeitet sie künftig klaglos mit ihm zusammen. Andernfalls nimmt Mike seinen Hut und sucht sich einen neuen Job. Anfangs hat es Abby bei dieser Wette zwar auf ihren Nachbarn Colin (Eric Winter) abgesehen. Man muss aber kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass sich das im Laufe des Films noch ändern wird.

Munter dahinplätscherndes Filmchen

Die Macho Meets Karrierefrau Variante des alten Liebesliedes, der sich Luketic und sein Autorinnenteam hier bedienen, kennt man aus den Screwballfilmen der 30er und 40er Jahre oder in der etwas kuscheligeren Variante aus den Filmen mit Doris Day. Katherine Heigl (Grey’s Anatomy) und Gerard Butler (P.S. I Love You) heißt das Schauspielduo, das sich in Die nackte Wahrheit jetzt an so legendären Filmpaaren wie Doris Day und Rock Hudson oder Katharine Hepburn und Gary Grant messen lassen muss. Gerard Butler gibt dabei eine erstaunlich gute Figur ab. Wahrscheinlich gerade, weil er sich mit seinem spröden schottischen Charme deutlich von den eleganteren Vorbildern abhebt. Katherine Heigl tut sich da ungleich schwerer, muss sich aber auch mit einer Bandbreite von Stereotypen herumschlagen, die darstellerisch kaum zu bewältigen ist.

Optisch kriegt sie die Verwandlung vom Büromäuschen zur Sexbombe noch problemlos hin. Aber psychologisch ist das zu dick aufgetragen, obwohl es schon lustig ist, wenn die anfangs so zimperliche Moralapostelin plötzlich vulgär drauflos poltert, als habe sie ihr halbes Leben im Rotlichtviertel zugebracht. Eher peinlich entwickelt sich dagegen die scheinbar unvermeidliche Harry und Sally Reminiszenz, in der die Fernsteuerung von Abbys Vibrationsslip in falsche Hände gerät und Abby dadurch mitten im Restaurant zum Orgasmus gebracht wird. Enttäuschend ist diese Szene auch deshalb, weil sie im völligen Gegensatz zum Original, in dem Sally mit dem vorgetäuschten Orgasmus ja gerade ihre Souveränität demonstriert, Abbys Körper zum mechanisch manipulierbaren Apparat degradiert. Abbys Höhepunkt gerät so zum Tiefpunkt eines sonst eher harmlosen Filmchens, das munter dahinplätschert und, wenn man die unerreichten Vorbilder einmal vergisst, zwischendurch auch richtig Spaß macht.

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