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Nine

25.02.2010

Groß ist nur die Enttäuschung

Laszive Kostüme, lange Beine, launige Lieder – mehr als eine Nummernrevue mit großem Staraufgebot hat Rob Marshall dieses Mal nicht zu bieten. Von STEFAN VOLK

 

Alles sprach für großes Kino: die sechs Oscars, die Chicago (2002) in der Inszenierung von Rob Marshall (Memoirs of a Geisha) gewonnen hatte, das gewaltige Staraufgebot, das der Regisseur diesmal um sich versammelte, mit einem Auftritt der legendären Sophia Loren als Highlight, und die anspruchsvolle Vorlage, die das Broadway-Musical lieferte, das auf Federico Fellinis Spielfilm Achteinhalb (1963) basiert. Groß war am Ende jedoch nur die Enttäuschung über das, was Marshall daraus machte.

 

Dabei war die Ausgangssituation bei Nine im Grunde noch dieselbe wie bei Fellini. Der Regisseur Guido Contini (Daniel Day-Lewis, bisher 2 Oscars) steckt in einer kreativen Krise, zieht sich vom hektischen Alltag zurück und fantasiert von den Frauen seines Lebens: seiner Gattin (Marion Cotillard, 1 Oscar), seiner Geliebten (Penélope Cruz, 1 Oscar), der Mutter (Sophia Loren, 2 Oscars), der Schauspielerin (Nicole Kidman, 1 Oscar), der Kostümbildnerin (Judi Dench, 1 Oscar), der Journalistin (Kate Hudson) und der Hure (Stacy Ferguson), die ihm als Jugendlichen den Sex beibrachte. Aber was sich bei Fellini zur Lebensinventur und Sinnsuche eines ausgebrannten Mannes entwickelt, erstarrt bei Marshall zur reinen Nummernrevue. Guido Continis existentielle Krise verkommt zum bloßen Vorwand, um möglichst viele weibliche Starauftritte aneinander reihen zu können.

 

Seelenloser Fellini-Verschnitt

Trotz der prominenten Namen wird das schnell langweilig, umso mehr, da auch die einzelnen Frauenfiguren überwiegend blass bleiben und ihre musikalischen Einlagen eher dürftig ausfallen. Nicole Kidman spielt und singt als Guidos Hauptdarstellerin und Muse ansprechend, kommt aber nie an ihre Darbietung in Moulin Rouge heran. Penélope Cruz versteckt sich – und ihr schauspielerisches Talent – hinter dem Klischee der südländischen Sexbombe, was aber die Academy-Mitglieder nicht davon abhielt, sie für den Oscar als beste Nebendarstellerin zu nominieren. Und Sophia Lorens Auftritt selbstironische Züge abzugewinnen, erforderte schon sehr viel guten Willen. Naheliegender wäre es, ihn als völlig missraten zu bewerten.

 

Immerhin lässt Judi Dench in ihrer ebenfalls ziemlich durchschaubaren Rolle der weisen alten Wegbegleiterin ein wenig Charisma aufblitzen, und Kate Hudson singt so gut, dass man aus dem eigens für sie komponierten Song „Cinema Italiano“ ohne Weiteres einen Videoclip basteln könnte. Die passende Hochglanzoptik hat der Film mit seinen vielen Schnitten und makellosen Grossaufnahmen ohnehin schon. Handlung wie Bild werden in Nine systematisch zerstückelt. Zu einem Mosaik formen sich die Einzelteile anschließend jedoch nicht mehr. Feierte Chicago noch den Sieg des lustvollen, sinnesfreudigen Scheins über das triste Sein, lässt Nine nichts mehr übrig, an dem sich die Illusion reiben könnte. In diesem für vier Neben-Oscars (Nebendarstellerin, Originalsong, Kostümdesign, Art Direction) nominierten seelenlosen Fellini-Verschnitt ist vielmehr alles eitle Show. Schöne Kostüme, lange Beine, launige Lieder; mehr hat Marshall diesmal nicht zu bieten.

 

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