Alles sprach für großes Kino: die sechs Oscars, die Chicago (2002) in der Inszenierung von Rob Marshall (Memoirs of a Geisha) gewonnen hatte, das gewaltige Staraufgebot, das der Regisseur diesmal um sich versammelte, mit einem Auftritt der legendären Sophia Loren als Highlight, und die anspruchsvolle Vorlage, die das Broadway-Musical lieferte, das auf Federico Fellinis Spielfilm Achteinhalb (1963) basiert. Groß war am Ende jedoch nur die Enttäuschung über das, was Marshall daraus machte.
Dabei war die Ausgangssituation bei Nine im Grunde noch dieselbe wie bei Fellini. Der Regisseur Guido Contini (Daniel Day-Lewis, bisher 2 Oscars) steckt in einer kreativen Krise, zieht sich vom hektischen Alltag zurück und fantasiert von den Frauen seines Lebens: seiner Gattin (Marion Cotillard, 1 Oscar), seiner Geliebten (Penélope Cruz, 1 Oscar), der Mutter (Sophia Loren, 2 Oscars), der Schauspielerin (Nicole Kidman, 1 Oscar), der Kostümbildnerin (Judi Dench, 1 Oscar), der Journalistin (Kate Hudson) und der Hure (Stacy Ferguson), die ihm als Jugendlichen den Sex beibrachte. Aber was sich bei Fellini zur Lebensinventur und Sinnsuche eines ausgebrannten Mannes entwickelt, erstarrt bei Marshall zur reinen Nummernrevue. Guido Continis existentielle Krise verkommt zum bloßen Vorwand, um möglichst viele weibliche Starauftritte aneinander reihen zu können.