Eine unerhörte Begebenheit ...
Tom Ford ist zunächst einmal ein sehr erfolgreicher Modedesigner, der nachdem er Modehäuser mit Klang auch wieder mit Glanz ausgestattet hatte, seine eigenes Label gewinnbringend auf dem Markt der Eitelkeiten positionierte. In seinem Regiedebüt nimmt er sich eines kurzen, weitestgehend im inneren Monolog gehaltenen Romans des britisch-amerikanischen Autors Christopher Isherwood an. In diesem meutert der Literaturprofessor George Falconer, der dem Heroismus zugunsten der Alternativlosigkeit des Lebens abgeschworen hat, gegen das Establishment.
Er tut dies, indem er sich ihm fügt, seine Rollentypen mühelos bedient und dennoch weiß, dass er anders ist. Selbst seine Homosexualität und das Gedenken an seinen verstorbenen Partner werden für ihn zum Akt der stillen Rebellion. Ford hat aus dem Roman, der nur einen Tag umfasst, eine Novelle gemacht. Das Opfer, das er dafür bringt, besteht darin, das Themenspektrum des Romans in ein Themenzentrum zu komprimieren. Der Gattungswechsel im Drehbuch kommt zustande, weil Ford den Ereignissen des Films eine „unerhörte Begebenheit“ voraussetzt: Der trauernde Falconer beschließt, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die Frage, wie buchstäblich unerhört dieser Wunsch ist und bleibt, liegt nun bedeutungsschwer über jeder seiner Handlungen. Die prominent besetzten Nebenfiguren werden dabei ein wenig zu oft zur Abbildungsfläche Falconers Emotionen, stehen sie doch selbst an Wendepunkten ihres Lebens.
Einmal, als Ford den dramaturgischen Determinismus durch eine mäßig subtile Episode zu unterbrechen trachtet, geht dann auch der Pathos mit dem Debütanten durch. Ansonsten oszilliert das Geschehen des Tages zwischen Routine und Endgültigkeit, zwischen Schüchternheit und letzter Chance – kurz: Das Versprechen der Ambivalenz ist in der Figurenzeichnung eingehalten. Spätestens hier lautet das obligatorisch gewordene Lob für Colin Firth: Sein Gesicht ist der Schauplatz des inneren Monologes, seine Haltung im besten, kleistschen Sinne marionettenhaft.