"Ja, da gibt´s langsam Altersflecken."
Zwar haben spätestens seit Andreas Dresens Wolke Neun Filme Konjunktur, die das Altern zum ungeschönten Thema machen, doch muss eine Dokumentation über Sport im hohen Alter qua Thema sperrig bleiben. Zudem tritt im Mittelteil der Aufhänger Sport in den Hinter- und das Leben als alter Mensch in den Vordergrund. Mit ihrem Fokus verliert die Dokumentation zugleich an Schwung. Doch dies ist nur ein vorübergehender dramaturgischer Hänger.
Problematischer ist, dass Herbstgold zwar eine Hommage an das Leben sein will und diesem Ziel mit einer langsamem, getragenen Pianomusik immer wieder entgegen läuft. Auch wenn es schnellere, fröhlichere Stücke gibt, erzeugt zumindest die Pianomusik eine unnötig traurige Stimmung, die nicht den aktiven, fröhlichen Sportlern entspricht.
Es sind der Ehrgeiz, Lebenswille und Humor der Protagonisten, die die Dokumentation sehenswert machen. „Ja, da gibt’s langsam Alterflecken“, sagt der 99 jährige Wiener Alfred Proksch amüsiert, als die Kamera nicht wegschaut, sondern beim umständlichen Ausziehen genau draufhält. Die daraus entstandenen imposanten Aufnahmen, hat Kameramann Marcus Winterbauer stilsicher eingefangen. Sich anspruchsvoll bewegende alte Körper. Arbeitende Muskeln, die vergraben unter Hautfalten nicht in Erscheinung treten. Ehemals automatisierte Bewegungsabläufe, die wieder geübt werden müssen. Nicht zuletzt Menschen, die um ihr Alter wissen. Geradezu wie ein Denkmal der Bewegung im Alter wirken schließlich einige Aufnahmen in Superzeitlupe kurz vor Ende der Dokumentation. Diese Bewegungen, wenn die Sportler ihre entscheidenden Leistungen in den Wettbewerben erbringen, sind die Essenz des Films. Die Schönheit der Bewegung im Alter in Superzeitlupe.