Kreative Leitung?
Rodriguez, der bereits 1994 eine frühe Drehbuchfassung von Predators schrieb und sich aufgrund anderer Verpflichtungen mit der kreativen Leitung über das Projekt begnügte, geht nun zurück in den Dschungel und zu den militaristischen Antihelden des Originals. Dabei weckt der Film mit seiner 08/15-Handlung aber eher unfreiwillige Assoziationen zu einer ganz anderen populären Fantasy-Serie der letzten Jahre mit prominenten Sci-Fi- und Horror-Elementen: Predators funktioniert über weite Strecken wie eine sehr schlecht geschriebene, substanzlose Version der Pilotfolge von Lost mit schablonenhaften, langweiligen Figuren, die sich entweder hölzerne, gänzlich redundante Wortgefechte liefern oder in ihrer unfreiwillig komischen Angriffslust auf alles schießen, was sich bewegt. Diese fast zur Selbstpersiflage neigende Kampflust der Protagonisten sorgte bereits in Predator für unfreiwillige Komik, nur waren die schwitzenden Muskelberge des Originals amüsant einsilbige 80er-Jahre-Machos ohne viel Hirn, aber doch genug Herz. Während die übergroßen Persönlichkeiten der Originalbesetzung, allen voran Arnold Schwarzenegger, ansprechend genug waren, um die dünne Handlung zu tragen, tut sich die für ein B-Movie ungewöhnlich hochwertige Besetzung des Sequels schwer mit ihren flachen, klischeebeladenen Figuren.
Charakterfressen wie Laurence Fishburne, Danny Trejo, Oleg Taktarov und Walton Goggins stolpern unsicher durch den Film und werden zu schnell verheizt und talentierte Jungmimen wie Adrien Brody und Topher Grace sind dazu verdammt, den vermeintlich tiefgründigen Subtext des Films in ungelenken Monologen auszubuchstabieren. Lediglich die bildhübsche Alice Braga, der die nassen Haare stets dekorativ ins Gesicht hängen, hat das nötige Charisma, um den Film zu tragen.
Besonders enttäuschend an Predators ist aber, daß der ungarische Filmemacher Nimród Antal hier nicht an seine bisherigen Regieleistungen anschließen kann. Antal, der mit dem düster-komischen Fiebertraum Kontroll aus seinem Heimatland auf sich aufmerksam machen konnte und dann mit den zwei kurzweiligen Genre-Fingerübungen Motel und Armored überzeugte, scheint sich leider zu sehr dem redseligen, berechenbaren Skript und der im Werbematerial zum Film wiederholt angeführten »kreativen Leitung« von Rodriguez gebeugt zu haben. Zwar kann er das exotische Dschungel-Setting des Films atmosphärisch dicht einfangen und die Actionszenen sind rasant und dynamisch umgesetzt, aber weder wird hier Antals Talent für Spannungsaufbau, noch für die packende Inszenierung klaustrophobischer Extremsituationen evident. Wenn dieser schwerfällige und gänzlich überflüssige Predators ernsthaft Rodriguez' Antwort auf Aliens sein soll, dann will man gar nicht erst wissen, wie er sich die Predator-Analogie zu Alien 3, geschweige denn zu Alien – Die Wiedergeburt vorstellt.