Müde Traumnovelle
Origineller sieht es nur in der Düster-Bar aus. Hier regieren Habumar und die Alpträume. Sie müssen exorziert werden, damit das Traumland noch „trantütiger“ und „eintöniger“ wird, wie es das Leitschaf von Nepomuks Herde zu Filmbeginn fordert. Wie der am endlosen Hürdenspringen wenig interessierte Nepomuk zukünftig mit seinem Temperament umgeht, verraten die „Abenteuer im Traumland“ nicht. Nepomuk wird wohl domestiziert werden, wie der schließlich auf Wurmgröße geschrumpfte Habumar und Mikos von Habumars Sprecher Ilja Richter verkörperter Vater.
Der Ansatz zu Tiefgang, der sich in Mikos Dämonisierung seines strengen Vaters im Traum andeutet, wird übergangen. Der kühle Vater, der sagt, Seefahrt sei nichts für Kinder, ist zum Filmende urplötzlich in einen Seebären mit Kapitänsmütze verwandelt, der Miko ermutigt, statt zu ermahnen. Nachdem Miko ausgeträumt hat, scheint die eigentliche Traumreise erst zu beginnen. Die idealisierte Realwelt ist zum wirklichkeitsfernen Paradies geworden.
Unter der Hülle hübscher Animationen verbirgt Das Sandmännchen biedere Nostalgie, zugeschnitten auf konfliktscheue Erwachsene, denen das Prädikat „besonders wertvoll“ wichtiger ist als filmischer Anspruch. Ein Erwachsenenfilm, der vorgibt, ein Kinderfilm zu sein. Das Sandmännchen zeigt nicht, wie Ängste überwunden und Konflikte gelöst werden können. Die minimalen Probleme, welche das Drehbuch zulässt, lösen sich von selbst oder werden ignoriert. Ohne Spannung, Witz und Anspruch ist das Werk auch für die jüngsten Zuschauer dröge. Anders als ihre Eltern werden sie sich nicht so leicht Sand in die Augen streuen lassen.

