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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 09:38

Kurzfilm - Ravioli Ritter

26.07.2010

Der Name der Dose

Man mag den Plot – uneinsichtiger Protagonist überdenkt seine überhebliche Einstellung gegenüber Liverollenspiel und das Ende ist happy – etwas cheesy finden. Aber das ist er nicht. Er ist konsequent, meint MARTIN SPIESS

 

Menschen gucken komisch, wenn man ihnen sagt, dass man Liverollenspiel macht. „Liverollen-was?“ Und erklärt man ihnen dann, dass man als Elb, Ork oder Zwerg verkleidet auf einer Burg oder im Wald in etwa so wie in Der Herr der Ringe Abenteuer erlebt, die Jungfrau rettet, die Räuberbande vertreibt, den Fluch, der auf dem Tempel lastet, bricht, so bekommt der komische Blick zusätzlich noch etwas Mitleidiges.

 

Kein Wunder: Liverollenspiel haftet, obwohl es schon seit Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre gespielt wird, immer noch etwas Nerdhaftes an - und die Vorurteile sind Legion: In einer Fantasy-Welt Abenteuer zu erleben ist Eskapismus. Realitätsflucht. Wer im echten Leben einen drögen 9-to-5-Job hat, holt sich seinen Ausgleich im Spiel, wo er den großen Helden mimt. Und das kann ja nicht gesund sein.

 

Verständlicherweise sauer

So sieht es auch Mattes (Christian Näthe), der Protagonist in Ravioli Ritter. Er ist gerade mit seiner Freundin Caro (Kristin Warnke) zusammengezogen, einer begeisterten Liverollenspielerin, die ihn auf ein Con mitnehmen will. Doch er: „Mann, ich kann jetzt nicht mit dir in die Pampa fahren und Schneewittchen spielen. Außerdem sind das alles Autisten, den tuste den größten Gefallen, wenn Du ihnen ein Telefonbuch schenkst.“

 

Caro ist verständlicherweise sauer und zieht alleine los zum Con ins Elbsandsteingebirge. Mattes folgt ihr, um ihr die vergessene Raviolidose zu bringen und sich mit ihr zu versöhnen. Dabei trifft er auf die Waldgeist Mutter (Greta Galisch de Palma), die ihm den Weg zu Caro weist. Die denkt aber gar nicht daran, Mattes’ Vorschlag, wieder nach Hause zu fahren, anzunehmen. Schließlich ist Caros Figur Königin Dalia zusammen mit ihren Gefährten Cordan (Alessandro Calabrese), Tjorge (Jan-Philipp Jarke) und Diego (Matthias Ransberger) ausgesandt, um die Horden Faruks zu finden und zu vernichten ...

 

Hochprofessionelle Zutaten

Mattes schließt sich als Ritter Aikanaro Seragon widerwillig an, nur um sein Missfallen am Spiel in jedem Augenblick zum Ausdruck zu bringen. Die Schaumstoffwaffen findet er lächerlich und den furchteinflößenden Drachen besiegt er, indem er das Seil löst, an dem das Drachenmodell befestigt ist. Spätestens jetzt hat die Gruppe die Nase voll von Mattes und schickt ihn nach Hause. Auf dem Weg zum Parkplatz jedoch kreuzt die Waldgeist Mutter wieder seinen Weg, und ein Gespräch mit ihr kann Mattes’ Vorurteile abschwächen. Kein Wunder, dass, als er im Anschluss daran mit Bösewicht Faruk und dessen Horden zusammentrifft, endlich zum Schwert greift.

 

Leider ist Ravioli Ritter nur ein Kurzfilm. Leider, denn Mattes’ (von Christian Näthe wunderbar gespieltes) zynisches und infantiles Trotzverhalten würde man sich gerne noch länger ansehen. Félix Koch hat es geschafft, einen gleichsam humorvollen wie epischen Film zu drehen. Das liegt neben Kochs Geschichte an Dylan Thompsons mitreißender Kamera-Arbeit. Und es liegt an Johannes Repkas grandioser Filmmusik. Das alles kombiniert in einem vermeintlich kleinen Studentenfilm, der es schafft, dem Liverollenspiel ein höchstsympathisches Denkmal zu setzen.

 

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