„Es war, als hätte ich eine Erscheinung gehabt.“ (M. Night Shyamalan)
Vermutlich überkam sie den Regisseur vor dem Fernseher. In den USA flackert dort regelmäßig die Fantasy-Serie „Avatar: The legend of Aang“ über den Bildschirm. Shyamalans Töchter seien von der Reihe um die Naturgewalten kontrollierende Kinder-Krieger begeistert, wirbt der Pressetext. Können die Kinder von Hollywoodstars irren? Nach der wachsenden Fan-Gemeinde von „Avatar: Die Legende von Aang“ zu urteilen nicht. Nachdem Shyamalans Filme nach „The Sixth Sense“ bei Publikum und Kritikern immer weniger Erfolg genossen, war seine Erscheinung wohl mehr kommerzieller als künstlerischer Natur. Sein jüngster Film ist augenscheinlich als Auftakt einer Filmreihe im Stil von „Twilight“ und „Harry Potter“ konzipiert.
Das Zuschauerinteresse in den USA, wo „The Legend of Aang“ bereits angelief, ist allerdings keineswegs stürmisch. Anders die Windstöße, die der zwölfjährige Hauptcharakter Aang (Noah Ringer) entfesselt. In der mythischen Filmwelt, wo „Bändiger“ genannte Menschen einzelne Elemente kontrollieren können, ist Aang der Avatar, die jüngste Reinkarnation eines Bändigers, der alle Elemente beherrscht. Unterstützt von der Wasser-Bändigerin Katara (Nicola Peltz) und deren Bruder Sokka (Jackson Rathbone) zieht Aang durch eine von Schaueffekten strotzende Filmwelt. Dieses Fantasiereich wollen die Freunde von der Unterdrückung durch die kriegerischen Feuer-Nation zu befreien, deren Feuer-Prinz Zuko (Dev Patel) sie verfolgt. Ein Kinderspiel für Nachwuchs-Erlöser Aang, den zu töten sinnlos wäre, wie ein Filmschurke bemerkt: „Du würdest doch nur wiedergeboren werden.“
Dass Aangs Wiedergeburt im Kino in Form einer Fortsetzung erfolgt, ist zweifelhaft. Shyamalans Werk bleibt ein seelenloser Effekt-Reigen. Die jungen Schauspieler werden erstickt von den gewaltigen Kulissen. In den artifiziell wirkenden Sets schrumpfen die Charaktere zu den winzige Marionetten, die sie aus dramaturgischer Perspektive sind. Die Figuren sollen Archetypen sein; zu mehr als Stereotypen hat es nicht gereicht. Als Persönlichkeiten lassen sich die schablonenhaften Gestalten nur bezeichnen, wenn man Esoterik-Typologie zur Individualität erhebt: Die Prinzessin, der Beschützer, der dunkle Prinz, der Erlöser. Spirituell ist dieses Konzept so tiefgründig wie das Gummibärchen-Orakel. Vermutlich gehen die Produzenten davon aus, dass das Zielpublikum der Fernsehserien-Fans automatisch die in mehreren Staffeln entwickelten Charaktere der Serienfiguren auf die Leinwand projiziert.