Kampf von Kamera und Figuren
Besonders gelungen und interessant ist dabei das Verhältnis der beiden Täter. Timo (Wotan Wilke Möhring) ist jung und weiß mit seinen pädophilen Gefühlen noch nicht umzugehen, er unterdrückt sie. Der ältere Per (Ulrich Thomsen) hingegen hat sich seiner Krankheit schon lange hingegeben, und hofft in Tilo endlich einen Gleichgesinnten gefunden zu haben, mit dem er seine geheimen, perversen Vorlieben teilen kann. Trotz ihrer gemeinsamen sexuellen Neigung herrscht ein ständiger Konflikt zwischen den beiden, der dazu führt, dass sie sich in ihren Dialogen und Aktionen selbständig offenbaren, freiwillig und unverfälscht. Dadurch bekommt der Zuschauer einen viel echteren, meist erschreckenden, aber auch ehrlicheren Zugang zu diesen Figuren.
Die Schauspieler werden alle ihren Rollen und großen Namen gerecht: Kathrin Sass, Burghart Klaußner und Ulrich Thomsen ganz besonders. Auch Wotan Wilke Möhring spielt überzeugend, aber ihn sowohl den jungen Studenten von 1986 als auch den daraus erwachsenen Familienvater im Jahr 2009 spielen zu lassen, war leider keine optimale Entscheidung. Selbst mit Mathebuch, Vollhaarperücke und schüchternem Lispeln, kann man diesem Kerl einfach keinen unsicheren Heranwachsenden abnehmen.
Die Bilder sind sehr stark und eindringlich, die Musik ebenfalls. Doch in dieser Stärke von Bild und Ton liegt paradoxer Weise das einzige wirkliche Problem dieses Films. Die Kamera von Nikolaus Summerer und die Filmmusik von Pas de Deux, sind zu präsent, drängen sich an falschen Stellen zu sehr in den Vordergrund. Dadurch nehmen sie der Geschichte und den Figuren häufig die Aufmerksamkeit und zurückhaltende Unterstützung, die sie verdient hätten.