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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 15:26

The Folk Singer - A Tale of Men, Music & America (DVD)

24.08.2010

Ein aussterbendes Amerika

Der melancholische Blick auf ein Amerika, das Raum lässt für social sidewinders sowie die Schönheit und den Schmerz des Scheiterns. Von GERD HASELMAIER

 

„Durch das Teilen des Schmerzes können wir Trost finden“, meint Scott H. Biram im Film. Und tatsächlich haben die Protagonisten so ihr Päckchen zu tragen. Jon Konrad Wert, alias Possessed By Paul James tourt durch die Texas-Walachei nach Lousiana, um mühsam etwas Geld für seine Frau und das ungeborene Kind zusammenzuspielen. Da weiß mal einer, was er kann und was er will, nämlich Musik machen und muss sich dann von Zweifeln zerreißen lassen, ob er sich nicht lieber einen sicheren Job für die werdende Kleinfamilie beschaffen sollte. Dieses im Grunde unmöglich zufriedenstellend aufzulösende Dilemma bildet den Rahmen des Films und lässt den Mann nicht los.

 

Die Frage hängt drohend über ihm - außer vielleicht wenn er auf der Bühne als Einmannband seinen dreckigen Garagenblues spielt. Unterwegs trifft er seinen alten Freund Scott H Biram, der bei einem Unfall dem Tod gerade noch von der Schippe gesprungen ist und  auch sonst von einigen Dämonen heimgesucht wird – einer davon ist der Alkohol. Zusammen mit weiteren, aus der Zeit gefallenen Jungs schlagen sie zwischen den Auftritten dieselbe mit Folk-Traditionals, Gesprächen über Musik, Amerika, über ihr jetziges und ihr früheres Leben, tot. Und wenn einer ein paar Knarren im Schuppen hat, geht man schon mal in die Prärie raus und ballert bekifft auf Dosen oder was sonst so herumliegt.

 

Seelentrip ins Surreale

Der Film ist ein Road- und Seelentrip durch ein Amerika, das nicht wie Amerika aussieht. Diverse Blasen und Krisen haben sichtlich daran genagt und in seiner Mischung aus dokumentarischen und fiktiven Szenen wirkt das Ganze zum Teil surreal. So etwa, wenn Wert und Biram auf einem ihrer Ausflüge Reverend Deadeye als Prediger in ruinösen Neubauten treffen. Allein die Persönlichkeiten die einem in The Folk Singer begegnen sind derart ausgeprägt und direkt, dass man sich fragen kann, ob es die fiktiven Elemente überhaupt gebraucht hat. Die poetischen Elemente verstärken allerdings diese Unmittelbarkeit zusätzlich und letztendlich ist die Unterscheidung zwischen Fakt und Fiktion ja ohnehin eine schwierige Sache. The Folk Singer ist ein Film, der sozusagen entschlackt ist von Banalitäten und Scheinproblemen und zu ganz einfachen und deshalb sehr grundlegenden Fragen führt,  etwa was eine Persönlichkeit ausmacht - und welche Bedeutung Musik dabei haben kann.

 

Die Idee und die Themen des Films hat der Regisseur M.A. Littler zusammen mit Jon Konrad Wert entwickelt. Kennengelernt haben sich die beiden in Deutschland, wo Littler Konzerte, darunter eben von Possessed by Paul James, veranstaltete. Vor The Folk Singer hatte Littler u.a. bereits  Filme über das Berner Voodoo Rhythm Label und die Band Dead Brothers gemacht. Mit The Folk Singer spannt Littler also einen musikalischen Bogen zu den Gleichgesinnten in Übersee, denn auch das Berner Label pflegt ja die etwas rohe Variante der Rootsmusik. 

 

In einer sehr anrührenden Szene, im letzten Teil des Films, sitzt Wert auf dem Bett in einem Motel-Zimmer, säuft und heult sich die Augen aus, weil er einfach nicht weiß wie er sich entscheiden soll. Man möchte ihn trösten – oder wenigstens den Schmerz mit ihm teilen.   


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