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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:14

Black Death

09.09.2010

Pesthauch des Bösen

„Die Priester sagten uns, es sei Gottes Strafe. Für welche Sünde?“ 662 Jahre nach der Handlungszeit von Christopher Smiths mittelalterlicher Splatter-Orgie ist die vom Hauptcharakter gestellte Frage aktueller denn je. Was hat das Kinopublikum verbrochen, dass es die krude Inszenierung und die reaktionäre Botschaft von Smiths Horrorstreifen Black Death heimsuchen? fragt LIDA BACH.

 

Düster sieht es aus im Kino. Zu Filmbeginn bei der Pressevorführung vorerst nur im technischen Sinne: die gezeigte Kopie ist von derart schlechter Qualität, dass dem Vorspann flackernde Ziffern und Lettern vorangehen. Das unbekümmerte Vorführen von Zelluloid-Überschuss ist eine gute Einstimmung auf die künstlerische Bedeutung des Filmmaterials, das einen erwartet. Finsterer als im Kinosaal im Jahr 2010 sieht es 1348 für die Bevölkerung Mitteleuropas aus. Die Pest wütet in den von verwesenden Leichen und Totenkarren gezeichneten Dörfern. Klerus, Adel und Bürgertum sehen schwarz.

 

Ob das daran liegt, dass die Mehrheit der im Film auftretenden Statisten eine Gesichtsverhüllung trägt, bleibt offen. Schämten sich die Komparsen derart für ihre Mitwirkung, dass sie auf Unkenntlichkeit vor dem Publikum bestanden? Soll keiner im Kinopublikum bemerken, dass die Pest-Leichen der einen Szene die Wegelagerer der nächsten sind? Mit den Geldern der Mitteldeutschen Medienförderung und der deutschen Filmförderfonds, die in Black Death flossen, hat sich wohl ein ketzerisches Crew-Mitglied davon gemacht. So reichte das Budget trotz Fördermitteln nur für miserable Spezialeffekte und Kostüme aus dem Faschingsladen, alles eingesetzt in einem Pappmaché-Szenenbild auf Nachbars Wiese.

 

Ritter, Tod und Teufelsglaube

Mittels der hochtrabend in Szene gesetzten Maskenschau versucht der im Horrorgenre mit Creep und Severance erprobte Christopher Smith die unheimliche Atmosphäre zu erzeugen, welche der dünne Plot nicht zu erzielen vermag. Ausgesandt vom Bischof soll der Ritter Ulric (Sean Bean) ein angeblich von der Pest verschontes Dorf ausfindig machen. Der junge Mönch Osmund (Eddie Redmayne) führt die Gruppe unbarmherziger Krieger. Unterwegs hofft er seine heimliche Geliebte Averill (Kimberley Nixon) wiederzusehen, die er in die Wälder vorausgeschickt hat.

 

Wenn einer im Mittelalter eine Reise tut, kann er was erleben dank abergläubischer Bauern, religiöser Büßer und wilder Räuber. Das Dorf, welches die Männer finden, erscheint als friedlicher Zufluchtsort vor dem Grauen der Außenwelt. Doch wo eine vollbusige Blondine wie Langiva (Carice van Houten) mit düsterem Blick die Männer beherrscht, wüten heidnischer Schrecken und Hexenwerk.

 

Hexen bis aufs Blut gequält

Dass die kriegerischen Christenmänner nicht so übel sind, wie es einer der Spießgesellen in einer Szene schildert, soll deren Verhindern einer Hexenverbrennung beweisen. Dass die Ulrics Mannen die gerettete Frau umgehend erstechen, stellt Black Death als Gnade dar. Im Vergleich zu der blutrünstigen Folter und den grausamen Tötungen in Black Death ist so eine harmlose Erstechung auch gnädig. „Arms, Legs, Hands, Heads – hacked away“, beschreibt ein Filmcharakter den filmischen Splatter-Faktor treffend. Eine zaghafte Frage Osmunds beschäftigt dabei auch den Zuschauer: „Forgive me but how does this concern the pestilence?“

 

Nun, beides kombiniert ermöglicht es dem Regisseur, die volle Bandbreite an Gewalt und Verstümmelung zu inszenieren: Eingeweide aufschlitzen, Gliedmaßen mit Zangen brechen, Schädel mit der Axt zertrümmern und als Krönung einen im Glauben standhaften Christen von Pferden zerreißen lassen. Nähe zwischen den Geschlechtern, ob romantisch oder erotisch motiviert, bestraft Black Death mit drakonischer Gewalt. Bigotterie und latente Frauenfeinlichkeit vereint Smith in einem abstoßenden Loblied auf Gefühlsverrohung und Brutalität. Sein kruder Historien-Horror rechtfertigt männliche Gewalt als legitime Reaktion auf angebliche weibliche Heimtücke und Grausamkeit. Klerikale Gewalt wird als notwendige Schutzmaßnahme vor Heidentum und Ketzerei dargestellt.

 

Predigte nicht schon Luther: „Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen“? Selbst Bibi Blocksberg würde in Black Death auf dem Scheiterhaufen landen. Seinem Filmtitel wird Black Death somit peinlich gerecht: die reinste Pest auf der Leinwand.


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Hallo! Sehr amüsante Rezension... ähnlich stümperhaft wie die Titelangaben, in denen fast jeder zweite Name falsch geschrieben ist. Die Autorin wollte wohl mit dieser Kritik ihr umfassendes, journalistisches Können unter Beweis stellen, und schafft es selbst dort zu kritisieren, wo es es nichts mit adäquater Analyse des Films zu tun hat. Was bitte hat die Qualität der Pressevorführung in einer Filmrezension zu suchen? Als nächstes muss man dann wohl noch lesen, wie sich Journalisten mit Presse-DVDs von Filmen rumschlagen, die sie ja auch oft genug als Grundlage nehmen müssen, um ihre Arbeit zu verrichten. Der Abschnitt über verhüllte Komparsen ist auch das Letzte... schon mal an die Bilder von verhüllten Menschenmassen zur Schweinegrippe oder den Feuern vor Moskau gedacht?! Und das war sicherlich wesentlich harmloser als die Pest damals... das hier Kritisierte ist also schlicht realistisch und authentisch und mitnichten etwas, was man ernsthaft kritisieren kann! Spezialeffeke, so wie ich sie definiere, konnte ich im Film gar nicht ausmachen, so dass ich auch hier die Kritik nicht verstehe. "Kostüme aus dem Faschingsladen" und "Pappmaché-Szenenbild" ist ebenso völlig daneben kritisiert, und wenn die Wiese des Nachbarn der Autorin so ausschaut wie im Film, scheint sie anscheinend noch mitten im Wald zu hausen... vor allem die Aufnahmen an der Teufelsmauer und die stilvollen Aufnahmen in den Wäldern das Harzes wirkten sehr stimmungsvoll und hochwertig! Immerhin beginnt ab dem nächsten Abschnitt die eigentliche Rezension, nachdem die erste Hälfte mit polemischem Quatsch verschwendet wurde. Zweifelsohne hat der Autorin der Film nicht gefallen, und mitunter wirkt es so, als wäre sie bei Alice Schwarzer in die Schule gegangen, so wie sie über den Inhalt denkt und herzieht. Ja, die Story ist eher dünn geraten und der Film ist äußerst brutal, aber dadurch auch realistisch und authentisch... vieles was hier kritisiert wurde, war damals nun mal so, und liefert dadurch ein glaubwürdiges Bild von der damaligen Zeit ab. Lange Rede, kurzer Sinn... Kritiken die sich dermaßen im eigener Wortkunst, Polemik und Arroganz weiden, nützen dem normalen Kinogänger herzlich wenig, wobei sie doch genau dafür geschrieben sein sollten. Etwas mehr Differenzierung und das Herausheben positiver Aspekte des Films hätten der Kritik gut getan, vor allem Eddie Redmayne als Mönchsjunge spielt sehr gelungen! Und andere Aspekte wie der starke Einsatz von Handkamera, der sehr oft zu verwackelten Bildern geführt hat, kommen in der Kritik gar nicht erst vor. Wer sinnvolle Kritiken zum Film lesen möchte, sollte sich auf den einschlägigen Seite im Netz umschauen...
| von Thomas Kleinschmidt, 09.09.2010
Vielen Dank für die genaue Lektüre, Herr Kleinschmidt! Die Titelangaben wurden umgehend nachgebessert. Die Schlussredaktion entschuldigt sich für dieses Versehen.
| von Die Redaktion, 09.09.2010
scheiss film der klappentext der dvd hülle ist besser und weniger zeitverschwendung
| von ketzer 110, 26.09.2010

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