Black Death
09.09.2010
Pesthauch des Bösen
„Die Priester sagten uns, es sei Gottes Strafe. Für welche Sünde?“ 662 Jahre nach der Handlungszeit von Christopher Smiths mittelalterlicher Splatter-Orgie ist die vom Hauptcharakter gestellte Frage aktueller denn je. Was hat das Kinopublikum verbrochen, dass es die krude Inszenierung und die reaktionäre Botschaft von Smiths Horrorstreifen Black Death heimsuchen? fragt LIDA BACH.
Düster sieht es aus im Kino. Zu Filmbeginn bei der Pressevorführung vorerst nur im technischen Sinne: die gezeigte Kopie ist von derart schlechter Qualität, dass dem Vorspann flackernde Ziffern und Lettern vorangehen. Das unbekümmerte Vorführen von Zelluloid-Überschuss ist eine gute Einstimmung auf die künstlerische Bedeutung des Filmmaterials, das einen erwartet. Finsterer als im Kinosaal im Jahr 2010 sieht es 1348 für die Bevölkerung Mitteleuropas aus. Die Pest wütet in den von verwesenden Leichen und Totenkarren gezeichneten Dörfern. Klerus, Adel und Bürgertum sehen schwarz.
Ob das daran liegt, dass die Mehrheit der im Film auftretenden Statisten eine Gesichtsverhüllung trägt, bleibt offen. Schämten sich die Komparsen derart für ihre Mitwirkung, dass sie auf Unkenntlichkeit vor dem Publikum bestanden? Soll keiner im Kinopublikum bemerken, dass die Pest-Leichen der einen Szene die Wegelagerer der nächsten sind? Mit den Geldern der Mitteldeutschen Medienförderung und der deutschen Filmförderfonds, die in Black Death flossen, hat sich wohl ein ketzerisches Crew-Mitglied davon gemacht. So reichte das Budget trotz Fördermitteln nur für miserable Spezialeffekte und Kostüme aus dem Faschingsladen, alles eingesetzt in einem Pappmaché-Szenenbild auf Nachbars Wiese.
Ritter, Tod und Teufelsglaube
Mittels der hochtrabend in Szene gesetzten Maskenschau versucht der im Horrorgenre mit Creep und Severance erprobte Christopher Smith die unheimliche Atmosphäre zu erzeugen, welche der dünne Plot nicht zu erzielen vermag. Ausgesandt vom Bischof soll der Ritter Ulric (Sean Bean) ein angeblich von der Pest verschontes Dorf ausfindig machen. Der junge Mönch Osmund (Eddie Redmayne) führt die Gruppe unbarmherziger Krieger. Unterwegs hofft er seine heimliche Geliebte Averill (Kimberley Nixon) wiederzusehen, die er in die Wälder vorausgeschickt hat.
Wenn einer im Mittelalter eine Reise tut, kann er was erleben dank abergläubischer Bauern, religiöser Büßer und wilder Räuber. Das Dorf, welches die Männer finden, erscheint als friedlicher Zufluchtsort vor dem Grauen der Außenwelt. Doch wo eine vollbusige Blondine wie Langiva (Carice van Houten) mit düsterem Blick die Männer beherrscht, wüten heidnischer Schrecken und Hexenwerk.
Hexen bis aufs Blut gequält
Dass die kriegerischen Christenmänner nicht so übel sind, wie es einer der Spießgesellen in einer Szene schildert, soll deren Verhindern einer Hexenverbrennung beweisen. Dass die Ulrics Mannen die gerettete Frau umgehend erstechen, stellt Black Death als Gnade dar. Im Vergleich zu der blutrünstigen Folter und den grausamen Tötungen in Black Death ist so eine harmlose Erstechung auch gnädig. „Arms, Legs, Hands, Heads – hacked away“, beschreibt ein Filmcharakter den filmischen Splatter-Faktor treffend. Eine zaghafte Frage Osmunds beschäftigt dabei auch den Zuschauer: „Forgive me but how does this concern the pestilence?“
Nun, beides kombiniert ermöglicht es dem Regisseur, die volle Bandbreite an Gewalt und Verstümmelung zu inszenieren: Eingeweide aufschlitzen, Gliedmaßen mit Zangen brechen, Schädel mit der Axt zertrümmern und als Krönung einen im Glauben standhaften Christen von Pferden zerreißen lassen. Nähe zwischen den Geschlechtern, ob romantisch oder erotisch motiviert, bestraft Black Death mit drakonischer Gewalt. Bigotterie und latente Frauenfeinlichkeit vereint Smith in einem abstoßenden Loblied auf Gefühlsverrohung und Brutalität. Sein kruder Historien-Horror rechtfertigt männliche Gewalt als legitime Reaktion auf angebliche weibliche Heimtücke und Grausamkeit. Klerikale Gewalt wird als notwendige Schutzmaßnahme vor Heidentum und Ketzerei dargestellt.
Predigte nicht schon Luther: „Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen“? Selbst Bibi Blocksberg würde in Black Death auf dem Scheiterhaufen landen. Seinem Filmtitel wird Black Death somit peinlich gerecht: die reinste Pest auf der Leinwand.


Titelangaben:Black Death (UK/D 2010)
R: Christopher Smith, B: Dario Polini, P: Phil Robertson, Jens Meurer, Robert Bernstein, Douglas Rae, K: Sebastian Edschmid, D: Sean Bean, Eddie Redmayne, Carice van Houten, John Lynch, Kimberley Nixon, Andy Nyman, Johnny Harris, Jamie Ballard
102 Min.
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