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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:15

Step up 3D

23.09.2010

Rock´n´Roll Realschule

„Wenn wir genau hinhören wird klar, dass wir alle zum gleichen Song tanzen“, erzählt eine der jungen Protagonisten zu Beginn des Films. Das Dialogzitat aus Jon M. Chus drittem Teil der erfolgreichen Tanzfilm-Serie Step up ist zutreffender, als beabsichtigt. Das Schrittmuster des Jugendfilms ist streng, aus der Reihe getanzt wird nicht, gilt in dem populären Genre-Mix aus Teenie-Romanze und Tanzeinlagen. Von LIDA BACH

 

Statt der angekündigten Fortsetzung ist Step up 3D eine leicht durchschaubare Wiederholung das bewährte Konzept der Vorgängerfilme Step up und Step up 2 the Streets. Weil sich im alten Handlungsort Baltimore die Tänzer nach zwei Step up-Filmen gegenseitig auf die Füße treten, verlegt Regisseur Chu die Ereignisse kurzerhand nach New York. Ein unkonventioneller Nebencharakter der alten Filme ist dort hingezogen und trifft die konventionellen Charaktere, die im Zentrum der Handlung stehen. Der attraktive Luke (Rick Malambri) führt die Tanz-Crew „The Pirates“ an. Luke nimmt die ebenfalls attraktive Natalie (Sharni Vinson) in die Crew auf, der ein alles entscheidender Wettkampf gegen ihre tänzerischen und persönlichen Erzfeinde bevorsteht.

 

Die Produzenten von Step up 3D scheinen eine äußerst infantile Vorstellung von der harschen Realität zu haben – oder schreiben es der jugendlichen Zielgruppe vor der Kinoleinwand zu. Die angeblich mittellose Tanz-Crew bewohnt ein mehrstöckiges Fabrikgebäude mit diversen Tanzflächen, Graffiti-Raum, riesigen Musikanlagen und einem Arsenal teurer Tanzschuhe. „Das ist so ´ne Art Geheimversteck“, erläutert Luke, „Wir nennen es 'Die Festung'.“ Doch wer als Pirat etwas auf sich hält, braucht noch mehr: „Wir haben einen Kapitän, einen Steuermann...“ Gemeinsam steuern die kleinen Piraten unbeirrbar in den Hafen von Partnerschaft, Erfolg und Universitätsabschluss. Alles in 3D, wie der Titel ankündigt.

 

Meine Lieder, meine Träume

Der zeitgenössische Tanzfilm ist keine Renaissance des klassischen Tanzfilms. Er ist dessen Antithese, ein gespenstischer Wiedergänger, dessen Gemeinsamkeiten mit der Urform erschrecken. In klassischen Tanzfilmen war das Glück der Figuren wankelmütig. Heute ein Stern, morgen Schnuppe. Einer findet in seiner Auster eine Perle, der andere Salzwasser. Heute ist der Erfolg der Filmfiguren zuverlässiges Resultat geregelter Arbeit und der richtigen Entscheidungen. „Richtig“ bedeutet dabei moralisch. Loyalität ist oberstes Gebot. Wer Freunde, Familie oder die symbolische Vereinigung beider, die Crew, verrät, wird selbst verraten. Dem Ruf des Herzens muss gefolgt werden, aber keinesfalls ins Bett.

 

Kaum ein anderes Genre zeigt soviel physischen Aktionismus mit soviel Prüderie. Fast erwartet man, in den gestellten Video-Interviews mit den Jungtänzern aus Step up 3D zu hören, junge Menschen bräuchten körperliche Erschöpfung, um nicht sündhafter Lustbefriedigung zu bedürfen. In Ekstase versetzen soll die Charaktere allein die Musik. Dies gilt auch für andere berauschende Mittel. Wer raucht, hustet sich bald durch die Tanznummer. Das Bier zu viel trinken die Charaktere immer vor einem wichtigen Vortanzen, das postwendend im Fiasko endet. Psychedelischer Ausdruckstanz auf LSD-Trips war schon in Grease tabu. Und der lief in den Siebzigern.

 

Unter der unbedarften Hülle wohnt Filmen wie Street Dance 3D oder nun Chus Step up 3D etwas Martialisches inne. Die Crews treten in „Battles“ gegeneinander an, deren Ziel nicht tänzerische Vollendung ist, sondern Siegen. Marotten, Kleidung und Herkunft charakterisieren die Guten in oberflächlicher Weise als Individuen. Ihre Gegner entpersonalisiert ein Einheitsstil. Nach ähnlichem Schema werden in Kriegsfilmen oft die eigene Soldaten vom Feind abgegrenzt. Die Strategie des Jugendtanzfilms im Krieg um Kasseneinnahmen ist schier unfehlbar: Kalkulierter Sex-Appeal, eine unmissverständliche Moralbotschaft, ein Happy End. Danach? Weitertanzen. Irgendeine Nebenfigur kann immer in eine andere Stadt ziehen.

 

Über einen Amateurfilm Lukes sagt Natalie in einer Szene: „Es sollte ein Publikum bekommen.“ Dem Publikum wird das wohl nicht erspart bleiben: Step up 4 ever ist vermutlich schon in Planung ...


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