Freitag, 25. Mai 2012 | 04:19

Scar 3D - mit TITEL-Gewinnspiel!

21.10.2010

Eher Ragout Fin als Narben

Der Tod ist in Scar 3D eine Erlösung, auf und vor der Leinwand. Der Tod der anderen, versteht sich. Die Qual der Protagonisten endet in Jed Weintrobs Slasher, wenn sie den Killer bitten, ein anderes Opfer zu töten. Die des Kinopublikums endet, wenn alle Protagonisten abgemurkst sind. Von LIDA BACH

 

Dass der erste ausschließlich in HD 3D gedrehte Splatterfilm drei Jahre nach Entstehung einen deutschen Verleih findet, scheint auf den ersten Blick erstaunlich. Mehr noch, dass die dreidimensionale Billigproduktion den Umweg in die Kinos schafft, bevor sie ihren Stammplatz in der „ab 18“-Sektion der Videotheken einnimmt. Grund dafür ist wohl der überraschende Publikumserfolg. Dabei zeigt eine Filmszene nahezu ironisch, wie man die Leinwand-Unterhaltung daheim umsonst kriegt: „..und da bin ich als Kind mal auf einen Metallpfosten gefallen.“ Sind wir nicht alle ein bisschen Scar 3D?

 

Dergleichen reichte den Zuschauern nicht, die den blutrünstigen Horrorfilm in mehreren Ländern an die Spitze der Kinocharts hievten. Die Motive des Killers, der auf der Leinwand überspannte Teenager und nervige Dorfpolizisten aufschlitzt, sind eher schlicht: „Maybe I´m just a sick fuck. So I torture people.“ Joan (Brittney Wilson) und ihre Freundin Susie (Tegan Moss) lernen das schmerzlich, nachdem sie einen Joint geraucht und mit einem Fremden gesprochen haben. Letzter ist Totengräber Bishop (Ben Cotton), der seine Kunden gern selbst produziert. Sechzehn Jahre später ist der Leichennachschub weiter gesichert. Steckt die traumatisierte Joan (Angela Bettis) dahinter, mit deren Besuch ihrer jugendlichen Nichte (Kirby Bliss Blanton) die Mordserie wieder anfängt?

 

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Nach wie vielen Jahren kehrt Joan in ihre Heimatstadt zurück?

(3)Nach 50
(35)Nach 15

Großzügig mit dem Skalpell, sparsam mit der Schere

Statt auf Originalität setzen Weintrob und Drehbuchautor Zack Ford in ihrer dritten Zusammenarbeit auf Altbewährtes. Nicht zufällig erinnert der Filmtitel an die Saw-Serie. Seine Handlung klaut Scar 3D schamlos aus der Kinoserie, deren siebenter Teil zudem als Saw 3D im Oktober starten soll, und Versatzstücken der Hostel-Filme zusammen.

 

Im Vergleich zu Eli Roths überdurchschnittlichem Zweiteiler wartet Scar 3D mit eintönigen Gemetzel auf. Die Mordarten variieren hauptsächlich darin, welche Arterie durchtrennt wird, damit der Lebenssaft wie aus dem Springbrunnen sprudelt. Weintrob will dem Filmtitel gerecht werden - und Beil oder Kettensäge hinterlassen eher Ragout Fin statt Narben. Obwohl auf dem Poster angepriesen, bleibt die dreidimensionale Optik jedoch überraschend unaufdringlich. Zweidimensional würde die Inszenierung kaum an Effektivität einbüßen.

 

Handwerklich solide und garantiert nicht jugendfrei versteckt sich unter der Blutkruste von Scar 3D ein mäßiger Schocker. Lediglich eine unblutige Mordszene ist ansatzweise erschreckend. Emotional abstumpfend ist die kompromisslose Kinofiktion entgegen konservativer Vorurteile nicht, nur ermüdend konventionell. Unterhaltsam ist Weintrob, wenn er Horrorklischees systematisch karikiert. Wer im amerikanischen Horrorkino lauthals „I want to have sex!“ fordert, dümpelt am nächsten Morgen als Wasserleiche im See.

 

Gefunden wird die Unmoralische von der planschenden Dorfjugend, die – im Gegensatz zu den Zuschauern – unfreiwillig ein Blutbad nimmt. Immer mehr der kiffenden, sexuell umtriebigen Protagonisten müssen unters Skalpell. Statt Sprüche wie „Hey altar boy, come up here and take my virginity!“ zu rufen, hätten sie sich besser auf die Zunge gebissen. Dann würde der Killer die auch nicht herausschneiden. Nur gut, dass Joans Nichte verkündet, sie werde ihre Hose anzubehalten!

 

Mit Schnitten traktiert Regisseur Weintrob Filmcharaktere statt Bildmaterial: großzügig mit dem Skalpell, sparsam mit der Schere. Die Verstümmelung der Protagonisten mag fiktiv sein. Die Film-Verstümmelungen der FSK nicht. Die Selbstkontrolle ist etwa so „freiwillig“ wie die Selbstverstümmelung der „Scar“- und „Saw“-Protagonisten: Besser was abschneiden, als dran glauben müssen. Dabei erschafft Splatter die Lust am unwirklichen Schmerz nicht. Die Faszination mit physischer Versehrung ist universell und omnipräsent, sei es in der verbalen oder visuellen Erzählkultur. Ich bin als Kind ja mal mit der Hand auf eine zerbrochene Porzellan-Figur...


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