Großzügig mit dem Skalpell, sparsam mit der Schere
Statt auf Originalität setzen Weintrob und Drehbuchautor Zack Ford in ihrer dritten Zusammenarbeit auf Altbewährtes. Nicht zufällig erinnert der Filmtitel an die Saw-Serie. Seine Handlung klaut Scar 3D schamlos aus der Kinoserie, deren siebenter Teil zudem als Saw 3D im Oktober starten soll, und Versatzstücken der Hostel-Filme zusammen.
Im Vergleich zu Eli Roths überdurchschnittlichem Zweiteiler wartet Scar 3D mit eintönigen Gemetzel auf. Die Mordarten variieren hauptsächlich darin, welche Arterie durchtrennt wird, damit der Lebenssaft wie aus dem Springbrunnen sprudelt. Weintrob will dem Filmtitel gerecht werden - und Beil oder Kettensäge hinterlassen eher Ragout Fin statt Narben. Obwohl auf dem Poster angepriesen, bleibt die dreidimensionale Optik jedoch überraschend unaufdringlich. Zweidimensional würde die Inszenierung kaum an Effektivität einbüßen.
Handwerklich solide und garantiert nicht jugendfrei versteckt sich unter der Blutkruste von Scar 3D ein mäßiger Schocker. Lediglich eine unblutige Mordszene ist ansatzweise erschreckend. Emotional abstumpfend ist die kompromisslose Kinofiktion entgegen konservativer Vorurteile nicht, nur ermüdend konventionell. Unterhaltsam ist Weintrob, wenn er Horrorklischees systematisch karikiert. Wer im amerikanischen Horrorkino lauthals „I want to have sex!“ fordert, dümpelt am nächsten Morgen als Wasserleiche im See.
Gefunden wird die Unmoralische von der planschenden Dorfjugend, die – im Gegensatz zu den Zuschauern – unfreiwillig ein Blutbad nimmt. Immer mehr der kiffenden, sexuell umtriebigen Protagonisten müssen unters Skalpell. Statt Sprüche wie „Hey altar boy, come up here and take my virginity!“ zu rufen, hätten sie sich besser auf die Zunge gebissen. Dann würde der Killer die auch nicht herausschneiden. Nur gut, dass Joans Nichte verkündet, sie werde ihre Hose anzubehalten!