The Bad and the Beautiful
„All the same stories. But White Mike had different stories“, behauptet der Voice-Over, der die Gedankengänge der Protagonisten nachzeichnet. Das ist die traurigste Lüge in Joel Schumachers Drogen-Drama voller stumpfer Vorurteile und Klischees. Die Charaktere, ihre Handlungen, ihre Dialoge – alles hat man so oder ähnlich schon gesehen. Trotz der hervorragenden jungen Darsteller fühlt Twelve sich schal und vorhersehbar an. Schumachers kalkuliert inszeniertes Jugenddrama ist das Gegenteil der pulsierenden Momentaufnahme, welche McDonells Romanvorlage sein will. Dekadenz, Tragik und der eingängige Soundtrack wirken gekünstelt und prätentiös. Der Off-Kommentar verläuft sich in hohlen Floskeln.
Schumachers Akteure sehen allesamt aus, als wären sie unterwegs zum nächsten Photo-Shooting. Makellose ausgeleuchtet wie die Settings, scheinen selbst Außenseiter Chris und die engelsgleiche Unschuld Molly einem Szenemagazin entsprungen. Voyeuristisch weidet sich das Kameraauge an den coolen Typen und den Kurven der Mädchen. Die Darstellung von Sexualität hingegen wird verschämt vermieden, die Sprache der Jugendlichen bleibt unrealistisch moderat.
Die puritanische Moral der Erzählung ist unübersehbar. Unterschwellig ist sie in der Hochglanzszenerie von Anbeginn präsent. Und diese seelenlose Optik des Films macht die abschließende Moralpredigt noch eisiger: „We must live the best life we can.“ Kant hätte es kaum apodiktischer ausdrücken können.

