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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:20

Twelve - im Kino!

22.10.2010

Poor little rich kids

Kinder können grausam sein. So grausam wie Kinderverse. Ihre schlichten Reime sind eingängig, die scheinbar leichtherzigen Pointen unterhalten kurzzeitig. Doch dahinter lauert der zynische Humor und eine belehrende Moral. Die Moral unerbittlicher Erwachsener. Twelve gleicht einem solchen Kinderreim, aufgesagt von Joel Schumacher nach Nick McDonells Bestseller über die armseligen Exzesse reicher Kinder. Von LIDA BACH

 

Drogen sind White Mikes Leben. Er selbst ist clean, doch nach dem traumatischen Krebstod seiner Mutter ist der 17-Jährige zum abgebrühten Dealer geworden. Sein Klientel sind die verwöhnten Kinder reicher Eltern. Cliquen-Favoritin Sara beschreibt sich selbst als oberflächlich und manipulativ. Die kostspielige Party zu ihrem achtzehnten Geburtstag finanziert der unscheinbare Chris für Sara, in der Hoffnung, sie ins Bett zu kriegen. Obwohl sie Chris verachten, treffen sich die "enfants terribles" in seiner Villa, um im Rausch die Langweile des sorgenfreien Lebens zu vergessen. „Legendär“ soll Saras Geburtstagsnacht werden. Dafür garantiert Chris psychopathischer Bruder Claude, der statt Steroiden schließlich scharfe Munition schießt.

 

The Bad and the Beautiful

„All the same stories. But White Mike had different stories“, behauptet der Voice-Over, der die Gedankengänge der Protagonisten nachzeichnet. Das ist die traurigste Lüge in Joel Schumachers Drogen-Drama voller stumpfer Vorurteile und Klischees. Die Charaktere, ihre Handlungen, ihre Dialoge – alles hat man so oder ähnlich schon gesehen. Trotz der hervorragenden jungen Darsteller fühlt Twelve sich schal und vorhersehbar an. Schumachers kalkuliert inszeniertes Jugenddrama ist das Gegenteil der pulsierenden Momentaufnahme, welche McDonells Romanvorlage sein will. Dekadenz, Tragik und der eingängige Soundtrack wirken gekünstelt und prätentiös. Der Off-Kommentar verläuft sich in hohlen Floskeln.

 

Schumachers Akteure sehen allesamt aus, als wären sie unterwegs zum nächsten Photo-Shooting. Makellose ausgeleuchtet wie die Settings, scheinen selbst Außenseiter Chris und die engelsgleiche Unschuld Molly einem Szenemagazin entsprungen. Voyeuristisch weidet sich das Kameraauge an den coolen Typen und den Kurven der Mädchen. Die Darstellung von Sexualität hingegen wird verschämt vermieden, die Sprache der Jugendlichen bleibt unrealistisch moderat.

 

Die puritanische Moral der Erzählung ist unübersehbar. Unterschwellig ist sie in der Hochglanzszenerie von Anbeginn präsent. Und diese seelenlose Optik des Films macht die abschließende Moralpredigt noch eisiger: „We must live the best life we can.“ Kant hätte es kaum apodiktischer ausdrücken können.


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