,,Wir gewöhnen uns an die Trauer, die alltäglicher Teil unseres Lebens ist." (Guy Maddin)
Hätten die Winnipegger ihre eigene Schönheitskönigin, weiß Maddin, wäre sie kein gewöhnliches Mädchen, sondern „Citizen Girl“. Citizen Girl würde die alte Sportarena wiedereröffnen, in der Maddin geboren wurde, auf deren Eishockeyfeld sein Vater leider nicht explodierte, sondern stattdessen in einer in einer Rauchwolke verpuffte, daheim, wo Maddins Mutter, seine Schwester, der lange, lange tote Hund und er „auf Couchen lagen, auf Couchen lagen“. Und die einzige in Winnipeg produzierte Fernsehserie Ledge Man guckten, über einen unentschlossenen Selbstmörder, dessen Mutter Maddins Mutter spielte ... Auf alten Fotos treten die Hintergründe langsam in den Vordergrund, während die Menschen davor verblassen, erzählt Maddin. Menschen werden zu Geistern und wie kann man leben ohne seine Geister? „Was ist eine Stadt ohne ihre Geister? Unbekannt, unbekannt!“
„Chunk of home“ nennt Maddin My Winnipeg. Einen Klotz Heim, Klotz am Bein, aus dem gleichen Holz geschnitzt wie er, Chip of the old block. Bis seine von Liebe und Sehnsucht erfüllte Stimme im Rhythmus der Zugräder geht: „White. Block. House.“. Wenn man Zug fährt, müsse man acht geben nicht die falsche Linie zu nehmen. Oder man ende in einer Endlosschleife. Einer Detour zu „alten verträumten Adressen, Traumadressen“. In My Winnipeg, manischer, magischer, purer Filmkunst, wie sie nur ein halb wahnsinniger Kino-Caligari wie Guy Maddin vollbringen kann.
Nachtrag: My Winnipeg wurde Ann Savages letzter Film. 2008 verstarb die Schauspielerin im Alter von 87 Jahren. Es war der erste Weihnachtsfeiertag. In Winnipeg war es der kälteste erste Weihnachtsfeiertag seit 87 Jahren ...

