Knisternd, ehrlich, groß!
Die 32-jährige Regisseurin Tadjedin inszeniert diesen privaten Reigen mit viel Gefühl auch für die kleinen psychologischen Gesten und entlockt dem Schauspielensemble eine durchgehend hervorragende Leistung. Gerade weil alle Figuren liebenswert sind und sie darüber hinaus glaubwürdig und intensiv gespielt werden, gehen sie dem Zuschauer wirklich nah. Hervorzuheben ist die sehr faszinierende Nebenfigur mit dem sprechenden Namen Truman (Griffin Dunne). Selbst wenn es nur die wenigen Szenen und Dialoge mit dieser Figur wären, ihre diabolische Aufrichtigkeit allein würde den Kinobesuch lohnen.
Die Szenografie des Films ist ein klein wenig überzogen. Es ist kaum denkbar, dass die Menschen der New Yorker Upper East Side tatsächlich auf die dargestellte Weise leben (müssen) – zumindest wünscht man es ihnen nicht. Die Einrichtung, die Klamotten und Accessoires erzeugen einen Stil, der existenziell frieren macht. Der einzige echte Kritikpunkt aber ist der Schnitt. Er wirkt, als habe man erst nach den Dreharbeiten die Erzählgeschwindigkeit des Films gefunden. Denn immer wieder werden durchgehende Handlungen durch Auslassungen gerafft, wie man es aus Musikvideos kennt. Die Erzählung wird schneller, bekommt dadurch jedoch etwas Gehetztes.
Dies allerdings spielt im Vergleich zu den durchweg sehr guten schauspielerischen Leistungen und der starken Erzählung eine verschwindend geringe Rolle und schmälert die Qualität des Films kaum. Gerade die Ehrlichkeit, mit der die Probleme der Paarbeziehung zu Beginn des 21. Jahrhunderts porträtiert werden, zeichnet den mutigen Film Last Night aus. Zum Beispiel wenn Joanna ihrem Ex-Freund gesteht, dass sie an ihn denke, sobald es in ihrer Ehe nicht gut läuft. Das ist menschlich knisterndes, erfrischend ehrliches, großes Kino.

