Happy Together
Der Sohn reagiert nicht, als die Nachbarin ihn grüßt. Er geht weiter ins Haus. »Er arbeitet so viel«, erklärt die Mutter. Im Haus ist alles perfekt. Unvollkommenes stört hier. Der neue Wasserspender blubbert ständig, als würde das gekühlte Trinkwasser darin kochen. Als brodelte es in der Kälte unter der Glasglocke. »Du hättest ihn besser nicht kaufen sollen«, sagt der Sohn zur Mutter. Die Nachbarin hat zu ihr von ihrem Wasserspender gesprochen. Und von dem Wasserspender einer dritten Nachbarin. Nur darum hat sie ihn gekauft. Um nicht aufzufallen. Der Sohn reagiert nicht, als die Mutter fragt, ob er wieder nichts isst. Er geht weiter in sein Zimmer. Dann beginnt das Leben hinter der Tür. Allein im Zimmer.
Die Mutter liegt allein wach. Der Vater isst allein. Der Laptop von seiner Arbeitsstelle stößt einen unerträglichen Dauersignalton aus. Unter dem tadellosen Gehäuse muss eine gravierende Fehlfunktion bestehen. Einmal wartet die Mutter im Wohnzimmer, bis der Vater heimkehrt. »Du hättest nicht auf mich warten sollen«, sagt der Vater. Manchmal weint die Mutter. »Wirst du nicht müde, anderen etwas vorzuheulen?«, fragt der Sohn.
»Ich hoffe, dass Household X ein Film sein wird, der die Menschen fähig macht, zu erkennen, wie wichtig es ist, eine Familie zu haben und nicht allein zu sein«, sagt Yoshida Koki. Verwandte und eine Familie sind nicht dasselbe. Ein Haushalt und ein Heim sind nicht dasselbe. Zusammensein und Alleinsein sind das selbe in Haushalten wie Kazoku X. Wenn die Türen im Household X sich schließen, ist es, als läge eine Unendlichkeit zwischen den Figuren. Endlos blickt die Mutter die Wände und Türen an, als könnte sie sie niederstarren, hindurch schauen, um den anderen wenigstens auf diese Art nah zu sein.
Eine Szene brachte Koki während der Dreharbeiten zum weinen. Er glaubte, seine Perspektive sei der des Sohnes nahe. Aber er hatte sich geirrt. Sein Kinodebüt ist falsch im Berlinale Forum. Manche Filme gehören nicht in Festivalsektionen. Sie gehören in den Wettbewerb.
