Mantas Kvedaravicius ist einer von ihnen. Menschen verschwinden. Fünf Jahre lang hat der litauische Dokumentarfilmer über Entführung und Folter in Tschetschenien recherchiert. Barzakh ist sein erster Film. Kaum eine Stunde lang, ist die Reportage das wohl eindringlichste Debüt dieser Berlinale. In den USA hat Kvedaravicius seine Doktorarbeit über Schmerz verfasst. Barzkah ist eine filmische Chronik der Schmerzen.
Eine Hochzeit, Tanz, Musik und Gewehrschüsse. Ein Soldat feuert in die Luft, doch niemand beachtet es weiter. Geschossen wird hier oft. Also geht der Tanz weiter. Ein Totentanz. Dass Leben muss weitergehen, auch wenn es sich manchmal nicht wie Leben anfühlt. »Unser Leben steht still«, sagt eine alte Frau. Die Kamera taucht zu mythischen Erzählungen auf den Grund des Dorfsees, in den Ruinen ausgebombter Häuser hallen die Stimmen der Verschwundenen, der Toten. Die Menschen aus Barzakh kommen nicht ins Jenseits, heißt es einmal. Sie werden verschleppt in Folterkammern, in denen ihre Verzeiflung in die Wand geritzt steht: »Bin ich lebendig oder tot?«
»Sie haben die Ohren wie Amulette getragen«, berichtet ein Gefolterter. Auch ihm wurde ein Ohr abgeschnitten und eine Warnung hinterlassen: Verrate uns nicht. Es war nicht nötig, sie zu foltern, sagt ein anderer Überlebender. Der Horror des Gesehenen ist groß genug. So ist es auch mit den Szenen aus Barzakh.
