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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:32

BERLINALE Special - The King´s Speech

04.02.2011

Königliche Worte

… muss Colin Firth in The King’s Speech bei Berlinale Special finden. Lida Bach spitzt die Ohren für Tom Hoopers historische Charakterstudie. Von LIDA BACH

 

Der Grammatik müssen selbst Könige sich beugen. Wie recht Molière mit seinen Worten hatte, weiß Bertie aus bitterer Erfahrung. Seit seiner Kindheit leidet er unter schwerem Stottern. Vor anderen Menschen zu sprechen, ist ihm unangenehm, eine Rede zu halten, ist ihm eine Qual. Ausgerechnet dies steht Bertie in Tom Hoopers Drama bevor. Vor der ganzen Welt soll er die Stimme erheben – seine Stimme, die ihm nicht gehorchen will.

 

Die Aufgabe, The King’s Speech zu halten, fällt Bertie (Colin Firth) durch eine fast groteske Verflechtung von Glück und Unglück zu. Sein großer Bruder Edward (Guy Pearce) verzichtet aus Liebe zu der Geschiedenen Wallis Simpson (Eve Best) auf den Thron. Nach dem Tod George III. (Michael Gambon) muss Prinz Albert ihn besteigen. Das Grauen einer offiziellen Ansprache ist ihm von seiner desaströsen Rede zur Eröffnung der Empire-Ausstellung noch in schlechter Erinnerung. 1939 muss er den Ohren der Bevölkerung Großbritanniens und der Welt verkünden, dass England in den Krieg ziehen wird. Die Inspiration zu seinem zurückgenommenen Historienfilm findet Tom Hooper an einem historischen Nebenschauplatz. Mit sanfter Ironie und Zärtlichkeit erzählt er von einem stillen Drama am Rande einer skandalösen Liebe, von einem persönlichen Kampf am Rande eines Weltkrieges, einem öffentlichkeitsscheuen Menschen in einer Zeit neuartiger Massenmedien.

 

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Einziger Makel an dem persönlichen Drama ist, dass George Bernhard Shaw es nicht als Bühnenstück inszenieren konnte. An eine Reminiszenz an Pygmalion unter umgekehrten Vorzeichen erinnert die Grundhandlung von Hoopers Drama. Prinz Albert wird My unfair Gentleman; unterkühlt und verkrampft steht er dem unkonventionellen Lionel Logue (Geoffrey Rush) gegenüber, einem Sprachtherapeuten, dem der eigene Akzent die angestrebte Theaterlaufbahn verstellt. Logue soll ihn das Sprechen ohne Stottern und Stocken lehren. Weniger Förmlichkeit, weniger Zwang. Aus den Konflikten zwischen dem Adeligen, dessen  Artikulationsschwierigkeiten von seinem Milieu mitgeprägt wurden, und dem ihm gegenüber als Ebenbürtiger auftretenden Lehrer wächst eine berührende Freundschaft. Hooper vermeidet die großspurige Geste wie sein Hauptcharakter. The King’s Speech fesselt durch die herausragenden Darsteller und intimen Interior-Szenen.

 

Unter dem galanten Ambiente schwelt Verborgenes. Die verdrängten Konflikte der Königsfamilie scheinen sich in Alberts Stottern Wort zu verschaffen. Durch Logue lernt Albert im doppelten Sinne, frei zu sprechen: über die Kindheitserinnerungen und Familienstreitigkeiten, die ihn psychisch belasten und schließlich auch vor der Öffentlichkeit. Im Berlinale Special umrahmt Hooper The King’s Speech mit einer angemessen royalen Inszenierung.

 

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