Der Hauptcharakter ist ein Jugendlicher, für den die Beschreibung »angry young man« ein Euphemismus wäre. Doch die Gesellschaft Made in Poland krankt in dem osteuropäischen Beitrag zum Berlinale-Forum zwischen Groteske und Experimentalfilm nicht an Aggressivität, sondern Lethargie. Schuld sind laut Bogus die Huren. Nein, nicht die Frauen (und Kinder), die deutsche Sextouristen gern im Nachbarland besuchen. Bogus Zorn richtet sich gegen die politischen, bürgerlichen und wirtschaftlichen Huren: bestechliche Politiker, korrupte Beamte, gleichgültige Angestellte, die sich vom System ausbeuten lassen. Dem System hat der hitzköpfige Skinhead den Kampf angesagt. Seine Waffe ist der klassische Baseballschläger. Autoscheiben sind Bogus Lieblingsziel. Wer Made in Poland gesehen hat, wird seinen Wagen wohl nicht so schnell jenseits der Grenze parken.
Die Titel der vergangenen Filme des Independent-Filmemachers legen nahe, dass in ihm ähnliche Emotionen brodelten wie in seinem Hauptcharakter: Kill´em all, Louder than Bombs, A Perfect Afternoon (vermutlich mit etwas, dass lauter als Bomben ist und alle tötet). Wenn dem so ist, hat der Regisseur, der mit Made in Poland sein gleichnamiges Theaterstück für das Kino adaptierte, umzudenken gelernt. Wojcieszek haut nicht drauf, er hält drauf: die Handkamera. Um deren raue Optik führt nach Wojcieszeks Kommentar scheinbar kein Weg herum, soll ein Film in Polen die Zensur umgehen.