»Ich kenne den Unterschied zwischen richtig und falsch«, sagt Jess. Richtig ist, dass sie von hier abhauen wird. Raus aus den Tabakfeldern von Kentucky. Den Koffer hat sie gepackt. Wie lange eigentlich schon, fragt Moss. Aber sie wird von hier abhauen, zur Hölle! … aus dieser Hölle. Eines Tages.
Richtig ist, dass die Eltern von Jess + Moss schon immer Freunde waren. Wie Jess + Moss in Clay Jeters unter die Haut gehendem Kinodebüt. Jeden Tag haben sie dasselbe Spiel gespielt, so wie Jess + Moss jeden Tag die gleichen Spiele spielen: dem alten Kassettenrekorder zuhören; in der baufälligen Kirche herum klettern, bis zum Kreuzfenster, an dem Jess Christus nachahmt. Richtig ist, dass Moss´ Eltern das nicht wissen dürfen. Gott sieht alles, auch was Moss heimlich im Badezimmer macht. Aber außerhalb von Moss´ Haus ist Gott blind. Draußen hängen nämlich keine Bilder von ihm. Richtig ist, dass Jess´ Mutter aus dem Kassettenrekorder spricht. Du bist nicht schuld, sagt ihre Mutter aus dem Rekorder. Es war nicht deine Schuld. Vielleicht lebt sie in den zerkratzten Kassetten. Verlockend, wie man etwas Lebendiges in einer Tonaufnahme einfangen kann. Zwei kleine Kinder hat Jess mit dem Rekorder gefangen, sie zuerst in der Scheune eingesperrt und dann die Aufnahmetaste gedrückt. 7 Minutes in Heaven heißt das Band.