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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:35

BERLINALE Forum - The Stoolpigeon (Xian Ren)

08.02.2011

Der Informant

Dante Lam ist ein Regisseur, der sich treu bleibt. Soviel muss zum Lob seines Actionthrillers The Stoolpigeon gesagt werden. Wer schon einmal ein Werk des auf harte Reißer spezialisierten chinesischen Erfolgsregisseurs gesehen hat – etwa auf einer vergangenen Berlinale im gleichen Kino im gleichen Saal im Berlinale Forum (der gleichen Sektion) – erlebt ein zweistündiges cineastisches Déja-vu. So erging es LIDA BACH.

 

Schon in den ersten Filmminuten wird eine der Nebenfiguren – der Nebenfiguren, die Lam als so nebensächlich empfindet, dass er sie so nebenbei niedermachen lässt – auf mörderische Weise mit einem Hackmesser gepiesackt. Was im amerikanischen Actionfilm für Schusswaffen gilt, gilt im Hongkong-Kino augenscheinlich für Schneidwerkzeuge: Das Messer kann nicht groß genug sein. Vermutlich winkt manchem der Schurken nach der Gangsterlaufbahn eine Karriere als Sushi-Koch. Die Bösewichte sind in The Stoolpigeon so klar und unzweideutig definiert wie es asiatischen Filmschurken wohl zuletzt in Yellow Peril widerfuhr.

 

Dante Lams Inferno

Der englische Titel bezeichnet die Vögelchen, die in Thrillern anderen Charakteren die für die Spannung essentiellen Informationen zuzwitschern. Ihr Prototyp ist der flüsternde Typ im Trenchcoat aus der Sesamstraße. Das Exemplar, dass zu Filmbeginn vor den Augen Don Lees (Nick Cheung) gerupft wird, ist einer der Lockvögel, mit denen der Polizeiinspektor regelmäßig arbeitet. Ebenso regelmäßig fliegen Lees Informanten auf. Dass seien Dinge, mit denen man als Cop fertig werden müsse, philosophiert Lee bei einem Drink in einer stilvoll schummerigen Bar. Um Gangster Barbarian (Lu Yi) zu fassen, setzt er den jungen Ghost (Nicholas Tse) auf ihn an, der so die Millionenschulden seines Vaters decken und seine Schwester von ihrem Zuhälter (Tony Ho) freikaufen will.

 

Ghost und Barbarian sind nicht die einzigen lustigen Spitznamen. Es gibt noch Jabber, Santas Little Helper und eine Cher. Nicht nur sein überdeutliches Faible für Hieb- und Stichwaffen, verwickelte Handlungsstränge und meist tierische Spitznamen pflegt der chinesische Filmemacher. Um seine Stammschauspieler sorgt er sich genauso. 2009 präsentierte er im Forum der Berlinale seinen Gangsterstreifen Beast Stalker. Fast alle Darsteller daraus feiern nun auf der Leinwand ein blutig-kriminelles Wiedersehen. Noch vor Beast Stalker war das Drehbuch zu The Stoolpigeon fertig. Beide Werke basieren auf der gleichen Recherchearbeit Lams.

 

So vernichtend wie sie vielleicht klingt, ist diese Filmkritik nicht. Als schnörkelloses Actionwerk, das sämtliche Konventionen des Genres einhält, erfüllt The Stoolpigeon alle Erwartungen an asiatische Action-Unterhaltung. The Stoolpigeon wäre ein gelungener Beitrag, wäre die Berlinale das AOF (Action on Film International Filmfestival). Ist sie aber nicht. Nur hat es Dante Lam noch kein Vogel gezwitschert ...

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