Dante Lams Inferno
Der englische Titel bezeichnet die Vögelchen, die in Thrillern anderen Charakteren die für die Spannung essentiellen Informationen zuzwitschern. Ihr Prototyp ist der flüsternde Typ im Trenchcoat aus der Sesamstraße. Das Exemplar, dass zu Filmbeginn vor den Augen Don Lees (Nick Cheung) gerupft wird, ist einer der Lockvögel, mit denen der Polizeiinspektor regelmäßig arbeitet. Ebenso regelmäßig fliegen Lees Informanten auf. Dass seien Dinge, mit denen man als Cop fertig werden müsse, philosophiert Lee bei einem Drink in einer stilvoll schummerigen Bar. Um Gangster Barbarian (Lu Yi) zu fassen, setzt er den jungen Ghost (Nicholas Tse) auf ihn an, der so die Millionenschulden seines Vaters decken und seine Schwester von ihrem Zuhälter (Tony Ho) freikaufen will.
Ghost und Barbarian sind nicht die einzigen lustigen Spitznamen. Es gibt noch Jabber, Santas Little Helper und eine Cher. Nicht nur sein überdeutliches Faible für Hieb- und Stichwaffen, verwickelte Handlungsstränge und meist tierische Spitznamen pflegt der chinesische Filmemacher. Um seine Stammschauspieler sorgt er sich genauso. 2009 präsentierte er im Forum der Berlinale seinen Gangsterstreifen Beast Stalker. Fast alle Darsteller daraus feiern nun auf der Leinwand ein blutig-kriminelles Wiedersehen. Noch vor Beast Stalker war das Drehbuch zu The Stoolpigeon fertig. Beide Werke basieren auf der gleichen Recherchearbeit Lams.
So vernichtend wie sie vielleicht klingt, ist diese Filmkritik nicht. Als schnörkelloses Actionwerk, das sämtliche Konventionen des Genres einhält, erfüllt The Stoolpigeon alle Erwartungen an asiatische Action-Unterhaltung. The Stoolpigeon wäre ein gelungener Beitrag, wäre die Berlinale das AOF (Action on Film International Filmfestival). Ist sie aber nicht. Nur hat es Dante Lam noch kein Vogel gezwitschert ...
