Der Stoff, aus dem die Helden sind
Wie ein Spätwerk fühlt das vollendete Genre-Drama sich an, womöglich, weil sich die Coens erst so spät mit Inbrust der klassischen Filmkunst hingeben. Die Bildkompositionen erinnern in ihrer atmosphärischen Dichte an einen Noir-Krimi, in dem zugefrorener Steppenboden den Asphalt ersetzt. Wer anständig begraben werden will, muss sich zum Sterben die passende Jahreszeit aussuchen. Im Winter ist der Grund noch härter als die obskuren Leichenhändler und Knocheneinrenker, die auf ihm reiten. Jeder in dieser Welt ist auf ein gutes Geschäft aus, wenn nicht mit den Besitztümern der Toten, dann mit ihren Leichen selbst. »There´s nothing free in this world exept for the grace of God.« Im Herzen bleibt True Grit immer Western. Sonst nichts.
Die Geschichte scheint alt, auch ohne den Gedanken an Hathaways Klassiker. Vielleicht war sie es immer. In der kindlichen Statur Matties wohnt die Seele einer alten Frau; jene, die das Paradigma des Films spricht. Bitterkeit ist den Figuren ins Gesicht gefurcht, doch sie bezeichnet Menschlichkeit, denn wer verbittert, hatte Ideale. Die entdeckt sogar Rooster widerwillig in sich. In gewisser Hinsicht erreicht Jeff Bridges mehr als Wayne. Wayne war bereits vor True Grit eine Western-Legende. Seine Persona dominiert die des Filmcharakters. Bridges wird von Cogburn beherrscht. Besessen scheint er von dem alkoholsüchtigen Jäger, der als ein Schatten seines einstigen selbst durch die von Staub zerfressenen Städte torkelt.
Der physische Preis, den Mattie für ihre Rache bezahlt, kennzeichnet sie und Cogburn auch äußerlich als seelenverwandt. Beide haben bewiesen, dass sie aus dem gemacht sind, woraus auch der raue Festivalauftakt der Coens besteht: True Grit.
