Fairplay war gestern
Ein Stadion sei kein Platz für Frauen, sagt einer der Wächter schlicht. Warum, das weiß keiner so richtig. Auf die Frage der Frauen nach dem Grund des Verbots, können die Soldaten es nicht erklären. Mit subtiler Komik enthüllt der Regisseur die Absurdität der Gesetzgebung, deren Zweck nicht einmal denjenigen begreiflich ist, welche sie durchsetzen müssen. Der Wahnwitz der Verbote ist so monströs, das manchmal nur ein kopfschüttelndes Lachen bleibt. Bis Offside in einem der düsteren Zwischenspiele an die grausam ernste Seite der Thematik erinnert. Ein Vater sucht verzweifelt in der Menge nach seiner Tochter – in der Hoffnung, sie vor ihren Brüdern zu finden, die sie ermorden könnten. Jaffar Panahi selbst wurde zu Offside durch seine Tochter inspiriert, der als Frau verboten wurde, ein Stadion zu besuchen. Auf berührende und dennoch bestechend unterhaltsame Weise zeigt er den Regime-Terror auf, welcher die Bevölkerung selbst in vermeintlich unbeschwerten Momenten heimsucht.
Das der Filmemacher selbst in der Jury sitzen sollte, ist bekannt. Er vermag es nicht. Darum nimmt sein Werk stellvertretend für ihn einen Ehrenplatz auf der Berlinale ein. Aus der Reihe »Jaffar Panahi: Filmmaker of the World« wird im Wettbewerb das systemkritische Drama in einer Sondervorführung gezeigt. Vor fünf Jahren lief Offside dort regulär und gewann den Silbernen Bären. Im Abseits zu sein, erklärte Panahi damals, hieße an der Spitze der Verteidigung zu stehen. Doch im Fußball - wie in der iranischen Gesellschaft - ist es nicht erlaubt, zu weit voraus zu sein.
