There´s no place like home
Mit einer Reise beginnt die Handlung, eine frühere Reise eröffnet die Binnenerzählung und eine historische Reise steht in ihrem Zentrum. Dramaturgisch jedoch tritt Almanya auf der Stelle. Die Einwanderer haben das Gastland verändert, das Gastland die Einwanderer und die Zeit alle beide. Tiefgründiger wird es in der unbedarften Familienunterhaltung nicht. In fröhlich bunten Szenen malt sich das Spielfilmdebüt der Regisseurin und Drehbuchautorin die Umsiedlung der türkischen Gastarbeiter Anfang der Sechziger nach Almanya aus. Schönfärberei praktiziert das auf Plattitüden und Klamauk setzende Werk nicht nur bei der Darstellung der Ost-West-Beziehung zwischen Türkei und BRD. Der Kalte Krieg ist lediglich eine Randnotiz des Plots.
Dass Regierungen unrecht handeln – nicht zuletzt an den oft benachteiligten, ausgebeuteten und mangelhaft geförderten Einwanderern – wird wie die Integrations- und Identitätskämpfe jüngerer Generationen ausgeblendet. Einen ausgewogenen Kommentar zur Integrationsdebatte zu liefern, hat Almanya grundsätzlich nicht im Sinn. Wie innerhalb der Handlung der 10000001 Zuwanderer gefeiert wird, scheint Almanya sich selbst als Gastland feiern zu wollen. Ironiefrei wie der Untertitel Willkommen in Deutschland sind auch die unangenehm stereotypen Protagonisten angelegt. Statt Klischees auszuhebeln, dienen die Charaktere dazu, sie zu zementieren – und zwar auf allen Seiten. Als Karikatur der türkischen Einwandererfamilie kommen die Yildimz in ein Sechziger-Jahre-Deutschland, dass es bestenfalls auf Retro-Postkarten gab. Der surreale Gastarbeiterhimmel ist das selbstverliebte Ideal eines Einwanderungslandes, in dem Diskriminierung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit als einzige Fremdwörter nicht willkommen sind.
Der Gipfel der Integration ist demnach eine veränderte Gewichtung der eigenen Klischees. Hätte die Enkelin nicht wenigstens einen Deutschen als Zukünftigen wählen können, fragt Fatma. So einfach ist das mit der Integration. Zu Hause ist, wo die Vorurteile sind.
