Der junge Angestellte Peter Sullivan (Zachary Quinto) ist derjenige in Margin Call, der dem Fehler im System seiner Firma auf die Spur kommt. Eine Unstimmigkeit, der bereits sein Mentor Eric Dale (Stanley Tucci) nachforschte, bevor er überstürzt gekündigt wurde. Sullivan gibt den Bericht, der einer finanziellen Katastrophenmeldung für die Landeswirtschaft gleichkommt, an seinen Vorgesetzten Emerson (Paul Bettany) weiter. Während der führende Analyst Sam Rogers (Kevin Spacey) entscheiden muss, ob er die Partnerunternehmen oder den eigenen Konzern opfert, steht der Firmenleiter (Jeremy Irons) in einer nächtlichen Sondersitzung vor der schier unlösbaren Aufgabe, ein wirtschaftliches Desaster abzuwenden.
Global Player, Spielernatur, Schachfigur – die Grenzen verschwimmen in J. C. Chandors scharf kalkuliertem Finanz-Thriller, bis sie sich gänzlich auflösen. Jeder der nacheinander eingeführten Charaktere nimmt eine höhere Position in der Firma ein, doch alle sind nur Rädchen im Getriebe. Chandor begleitet seine Figuren, stets darauf bedacht, ihnen nicht zu nahe zu treten. Bis vor die Türen ihrer Privatwohnungen folgt ihnen die Kamera, von da an bleibt sie außen vor. Die Türschwelle ist die letzte Hemmschwelle. Alle Figuren bleiben die professionellen Businessmenschen, die zu sein ihr Job sie zwingt. Der intensive Kamerablick durchdringt nie die kühle Fassade der Protagonisten, die zu entrückt und professionell wirken, um sich mit ihnen identifizieren zu können, zu wollen. Die Unpersönlichkeit scheint Teil des strategischen Konzepts von Margin Call, um die Bedeutungslosigkeit des Individuums innerhalb des Systems aufzuzeigen. Chandors unterkühltes Drama analysiert nicht die menschlichen Tragödien im Schatten der Wirtschaftskrise, sondern das System, welches sie ermöglicht.