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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:37

BERLINALE Wettbewerb - Saranghanda, Saranghaij Anneunda (Come rain, come shine)

19.02.2011

Und jeder sucht sein Kätzchen ...

Die Welt ist falsch. Am Himmel scheint die Sonne, doch die Seele ist düster. Der Titel ist falsch. Saranghanda, Saranghaji Anneunda - Kommt Regen, kommt Sonnenschein. Dabei ist es umgekehrt. Zuerst herrscht Sonnenschein, dann regnet es, regnet ohne Unterlass. Come rain, come shine spricht von der Hoffnung auf einen Lichtblick. Doch vielleicht kommt er nie, und der Regen wird fortdauern bis zum bitteren, bitteren Schluss. Das Leben ist falsch. Vielleicht sind auch die Menschen falsch, denen es gehört. Von LIDA BACH

 

Lee Yoon-kis stille Tragödie ist ein Kammerspiel ohne Ausweg, verschlossen, wie die in ihrer seelischen Selbstunterdrückung gefangenen Figuren. Nur einmal fließen Tränen in der sanft bedrückenden Verfilmung einer Erzählung von Areno Inoue. Selbst da dürfen sie nicht eingestanden werden. Jeder Ausdruck von Trauer gehört versteckt und verleugnet. »Solltest du dir nicht das Gesicht waschen?«, fragt Sie (Lim Soo-yeong). Menschliche Gefühle sind etwas, das Schmutz gleicht. Doch alles muss rein bleiben. In der Wohnung und in der Seele. Zu Beginn ist der Himmel noch klar über dem jungen Paar. Doch das schöne Wetter ist trügerisch. Einen Hurricane kündigt das Autoradio an. Das Unwetter spiegelt den lautlosen Sturm, der zwischen den Ehepartnern ausbricht und eine verirrte Katze in ihre Wohnung treibt.

 

Tage und Wolken

Nur das Katzenjunge, das sich im düsteren Wohnungslabyrinth des Paares verirrt, hat einen wahren Namen. Der Mann (Hyun Bin) und die Frau reden einander mit Namen an, doch der Regisseur nimmt sie ihnen. Seine schweigsamen Liebenden, die ihre Liebe nicht zulassen können, werden zu Archetypen unterdrückter Sehnsüchte. Die Sprachlosigkeit ist emotionaler Natur. Das Paar artikuliert sich indirekt in beiläufigen Gesprächen, unscheinbaren Gesten, welche in die minimalistische Inszenierung einbrechen wie der Regen in das Apartment. Sie bittet Ihn, die störrische Veranda-Tür zu schließen, als wollte Sie Ihm zeigen, dass Sie Ihn braucht. Auf der Treppe bleiben beide gleichzeitig stehen, als wollten sie den anderen zurückrufen, und steigen dann weiter in entgegengesetzte Richtungen. Sorgsam packt Er die Tassen ein, die Seine Frau für einen besonderen Anlass aufgehoben hat. »Sie sind noch hübsch«, sagt der Mann, doch Sie braucht sie nicht mehr. Ohne Ihn gibt es keinen besonderen Anlass mehr.

 

Der Filmtitel verspricht vage eine Klärung, der Luft vor dem Apartment und jener zwischen den beiden Protagonisten. Doch auf die Dunkelheit des Unwetters folgt das Dunkel der Nacht. Die temporäre Düsternis wird besiegelt von einer Finsternis, die keine Wetterveränderung beenden kann. »Everything will be okay«, flüstert Sie, als spräche Sie zu der Katze. Everything will be okay. Really. Draußen prasselt der Regen, und die Nacht der Einsamkeit verschlingt die Szenerie. »The cat that can never come home« heißt die Kurzgeschichte von Areno Inoue. Anschmiegsam, doch verschreckt von ihren eigenen Wünschen und den fremden Orten, zu denen sie führen, bleiben auch die Protagonisten. Come rain, come shine, was auch immer geschieht. Zwei verlorene Streuner, die nie nach Hause kommen kommen können – in kein Heim, in keinen Menschen.

 

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Zum Vorspann der Besprechung: Wenn man den Originaltitel nimmt, dann passt die Reihenfolge. Wörtlich übersetzt bedeutet er: "Ich liebe (dich oder was auch immer), ich liebe (dich oder was auch immer) nicht."
| von Manfred, 20.02.2011

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