Tage und Wolken
Nur das Katzenjunge, das sich im düsteren Wohnungslabyrinth des Paares verirrt, hat einen wahren Namen. Der Mann (Hyun Bin) und die Frau reden einander mit Namen an, doch der Regisseur nimmt sie ihnen. Seine schweigsamen Liebenden, die ihre Liebe nicht zulassen können, werden zu Archetypen unterdrückter Sehnsüchte. Die Sprachlosigkeit ist emotionaler Natur. Das Paar artikuliert sich indirekt in beiläufigen Gesprächen, unscheinbaren Gesten, welche in die minimalistische Inszenierung einbrechen wie der Regen in das Apartment. Sie bittet Ihn, die störrische Veranda-Tür zu schließen, als wollte Sie Ihm zeigen, dass Sie Ihn braucht. Auf der Treppe bleiben beide gleichzeitig stehen, als wollten sie den anderen zurückrufen, und steigen dann weiter in entgegengesetzte Richtungen. Sorgsam packt Er die Tassen ein, die Seine Frau für einen besonderen Anlass aufgehoben hat. »Sie sind noch hübsch«, sagt der Mann, doch Sie braucht sie nicht mehr. Ohne Ihn gibt es keinen besonderen Anlass mehr.
Der Filmtitel verspricht vage eine Klärung, der Luft vor dem Apartment und jener zwischen den beiden Protagonisten. Doch auf die Dunkelheit des Unwetters folgt das Dunkel der Nacht. Die temporäre Düsternis wird besiegelt von einer Finsternis, die keine Wetterveränderung beenden kann. »Everything will be okay«, flüstert Sie, als spräche Sie zu der Katze. Everything will be okay. Really. Draußen prasselt der Regen, und die Nacht der Einsamkeit verschlingt die Szenerie. »The cat that can never come home« heißt die Kurzgeschichte von Areno Inoue. Anschmiegsam, doch verschreckt von ihren eigenen Wünschen und den fremden Orten, zu denen sie führen, bleiben auch die Protagonisten. Come rain, come shine, was auch immer geschieht. Zwei verlorene Streuner, die nie nach Hause kommen kommen können – in kein Heim, in keinen Menschen.
