Juni 2009. Das Team um Regisseur Ali Samadi Ahadi (Lost Children) feiert die Premiere der Culture Clash-Komödie Salami Aleikum, als ihn die schockierende Nachricht aus der Heimat erreicht: Nach den Präsidentschaftswahlen bleibt Mahmoud Ahmadinedschad, trotz eindeutig gegenteiliger Wahlprognosen, im Amt. Der Wahlbetrug ist offensichtlich, aber die Opposition unter der Führung von Mir Hossein Mussawi scheint machtlos gegenüber den dreisten Methoden des Regimes: Die Wahlzettel gehen aus und Wahllokale werden frühzeitig geschlossen. Viele Iraner verlangen Erklärungen, fragen in öffentlichen Demonstrationen »Where is my vote?« und bekommen als Antwort die harte Hand der Diktatur zu spüren. Eine Welle des Protests erfasst die Bevölkerung – doch je mehr Menschen auf die Straße gehen, um für ihre Stimme zu kämpfen, umso schonungsloser gehen die Machthaber gegen Demonstranten, Kritiker und Oppositionelle vor.
Der in Deutschland lebende, iranische Regisseur Ali Samadi Ahadi will wissen, was tatsächlich in seinem Heimatland passiert ist, und einen Film darüber machen. Nur wie soll man die tatsächlichen Ereignisse nachvollziehen, wenn jede objektive Berichterstattung verhindert wird? Wie kann man die Geschehnisse adäquat schildern, wenn eine filmische Aufbereitung vor Ort undenkbar ist? Und ist es überhaupt möglich, einen authentischen und dem Publikum zumutbaren Kinofilm zu drehen, der die oft unvorstellbar grausamen und daher schwer darzustellenden Menschenrechtsverletzungen genauso sichtbar macht wie das pulsierende iranische Volk mit seiner Hoffnung, seiner Würde und seiner Wut?
Dem Film gelingt das auf erstaunlich-wunderbare Weise. Neben der traditionellen Dokumentation, bestehend aus Interviews mit Exil-Iranern, besticht das reale Bildmaterial der privaten Handyaufnahmen und Internet-Videos. Dazu führen zwei fiktive Figuren in comicähnlicher Animation durch die filmische Erzählung der historischen Ereignisse. Ihre Aussagen basieren auf ausgewählten, unzensierten Blogs und spiegeln so die freien Meinungen vieler junger Iraner wider. Die subtil verwobenen Stränge der beiden in die Protestbewegung involvierten Figuren werden zunehmend von Twitter-Nachrichten durchbrochen. Schwarz hinterlegte Zeilen evozieren lakonisch die sich verschlimmernden Zustände von Repression, Gewalt und Angst. Zugleich versinnbildlichen sie die rege, auch im Ausland sichtbare Kommunikation per Internet.