»Hütet Euch vor dem Zorn des Lamms.« (Offenbarung des Johannes)
Derb-humorige Szenen von Trunk und Ausschweifungen wechseln mit Bildern von unmenschlicher Grausamkeit und von berührend zärtlichen Momenten. Diese Momente erlebt der im Grunde des Lebens überdrüssige Antonio, den nur seine Sinnsuche treibt, mit den Spielleuten. Die Namen des Schausteller-Paares erinnern an Maria und Josef. Ihr kleiner Sohn, der den Namen eines Erzengels trägt, würde nach einer solchen Deutung eine Christusfigur verkörpern. Ist der Untergang tatsächlich ein Übergang, Anbruch einer neuen Ära, in der das alte Leid vergessen ist?
Bergmanns Ende lässt sich als Ausblick auf die Renaissance interpretieren, eine wortwörtliche kulturelle Wiedergeburt nach dem scheinbar so finsteren Mittelalter. Den Genuss eines flüchtigen Augenblickes lobt Antonius, wenn er während einer Rast mit der Gaukler-Familie sagt, er werde sich immer an eine Schale Erdbeeren und eine Schüssel Milch, die das Paar ihm reichten, und den Spielmann und seine Laute erinnern. Dieses Carpe Diem bleibt als einziger Ausweg gegen die Übermacht des Todes bestehen.
