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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:41

Das siebente Siegel - Det sjunde Insegelt (Schweden 1957)

24.03.2011

Film mit sieben Siegeln

Sieben auf einen Streich. Tot. Keine ist ihm entkommen. Keine der Seelen, die der Sensenmann an einem Strick hinter sich führt. Diese makabere Prozession wandelt über einen Hügelkamm, als würde sie tanzen. Doch der Spielmann, der sie beobachtet, bleibt stumm. Ob er staunen, weinen oder über das Zerrbild lachen soll, weiß er kaum. Nur nach Frohsinn ist dem Schausteller nicht ... - Die Retrospektive der BERLINALE öffnete Das Siebente Siegel Ingmar Bergmanns. LIDA BACH war dabei.

 

Die Gefühle des Spielmanns teilt man nach der BERLINALE-Vorführung. Das filmische Mysterienspiel verschließt sich auch auf der großen Leinwand der Retrospektive-Kinos einer endgültigen Deutung. Der Filmtitel - so viel ist klar - bezieht sich auf eine Passage aus der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament. Das Lamm als Verkörperung Jesu Christi öffnet dort das mit sieben Siegeln verschlossene Buch der Apokalypse. Den Weltuntergang bringt bereits das Öffnen des sechsten Siegels. Die Sonne hat sich verdunkelt, die Sterne sind vom Himmel gestürzt, der Mond ist wie Blut geworden. Die Handlung des Films indes ist erst beim vierten Siegel angekommen ...

 

Die vier apokalyptischen Reiter wüten auf der Erde. Das Land ist verwüstet von Hunger und Krieg. Bei seiner Rückkehr aus dem heiligen Land empfängt den Kreuzritter Antonius (Max von Sydow) der schwarze Tod (Bengt Ekerot). Umhüllt von einem dunklen Gewand will der leibhaftige Gevatter ihn ins Jenseits führen. Doch der Ritter fordert den Tod zum Schachspiel um sein Leben heraus. Während die Partie andauert, begegnet er den Schaustellern Jof und Mia, die mit ihm rasten. Das Paar und sein kleiner Sohn Mikael verkörpern für den Kreuzritter ein friedfertiges Ideal, das zu beschützen er sich schwört. Dass das Spiel für ihn aus ist, weiß Antonio. Doch nicht Lebenszeit will er gewinnen, sondern Antworten. Die jedoch kann auch der Tod ihm nicht geben. Existiert ein Gott, Satan oder ein höherer Sinn? Ist der Mensch gut oder schlecht? »Ich weiß nichts«, erwidert der Tod. Nur er ist gewiss. Mors certa. Omnia incerta.

 

»Hütet Euch vor dem Zorn des Lamms.« (Offenbarung des Johannes)

Derb-humorige Szenen von Trunk und Ausschweifungen wechseln mit Bildern von unmenschlicher Grausamkeit und von berührend zärtlichen Momenten. Diese Momente erlebt der im Grunde des Lebens überdrüssige Antonio, den nur seine Sinnsuche treibt, mit den Spielleuten. Die Namen des Schausteller-Paares erinnern an Maria und Josef. Ihr kleiner Sohn, der den Namen eines Erzengels trägt, würde nach einer solchen Deutung eine Christusfigur verkörpern. Ist der Untergang tatsächlich ein Übergang, Anbruch einer neuen Ära, in der das alte Leid vergessen ist?

 

Bergmanns Ende lässt sich als Ausblick auf die Renaissance interpretieren, eine wortwörtliche kulturelle Wiedergeburt nach dem scheinbar so finsteren Mittelalter. Den Genuss eines flüchtigen Augenblickes lobt Antonius, wenn er während einer Rast mit der Gaukler-Familie sagt, er werde sich immer an eine Schale Erdbeeren und eine Schüssel Milch, die das Paar ihm reichten, und den Spielmann und seine Laute erinnern. Dieses Carpe Diem bleibt als einziger Ausweg gegen die Übermacht des Todes bestehen.

 

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