Die Zierde ihres Gatten
Suzanne wiederum schart ihre Kinder aus Familieninstinkt auf der Arbeit um sich, schlichtet den Streik mit weiblicher Sanftheit und kann sich auch als Firmenleiterin nicht von ihrer stereotyp femininen Denkweise lösen. Die geschlechtsspezifischen Mentalitäten der Charaktere ließen sich als Persiflage interpretieren, würde sie Potiche nicht so ernsthaft inszenieren. Männer sind rational und entschlossen, Frauen gefühlsbetont und sozial. Das soziale nimmt bei Suzanne derart überhand, dass sie als Abgeordnete gegen Balbin antritt. Wahlkampf betreibt sie nicht mit konkreten politischen Konzepten, sondern indem sie Käsehäppchen verkostet und sich als Mutter der Nation feiern lässt, von Anhängern, die im Chor mit erhobener Faust »Mama« skandieren. Fast gelingt es Ozon in solchen Momenten amüsant zu sein. Zu dumm, dass der Mama-Jubel von dem »Wir sind Individuen«-Chor Monty Pythons abgekupfert ist.
Während mit Balbin und Laurent zumindest zwei halbwegs erträgliche männliche Figuren auftreten, sind die weiblichen Charaktere unaufrichtig, infantil und pathetisch. Zierden ihrer Männer oder deren Lustobjekte sind die beiden Rollenklischees, in die sich Frauen in Potiche unterteilen lassen. Dabei inszeniert Ozon diese Alternativlosigkeit keineswegs, um sie zu kritisieren. Vielmehr stellt er sie als kleineres von zwei Übeln dar. Die Übermutter Suzanne, gegen deren Zementfrisur selbst Doris Days Haartracht als wilde Mähne erscheint, im Parlament zu wissen, scheint noch grausiger als dass der sentimentale Balbin dort säße. Das erste Mal joggt Suzanne im roten Trainingsanzug, das zweite Mal in einem blauen. Mehr Emanzipation ist bei Ozon gefährlich. Seine Szenen in Split-Screen, Weichzeichner, Rahmenblenden und den anderen dekorativen Spielereien der Siebziger unterstreichen die Künstlichkeit seiner Filmwelt, die zum reinen Selbstzweck absinkt.
Nur die wunderbare Catherine Deneuve und Depardieu verleihen Potiche einen Rest Stil. Doch die beiden wunderbaren Hauptdarsteller sind für Ozon jeder nur ein »Schmuckstück« in einem Werk, dass im Grunde unverhohlene Hommage an seinen eigenen Regie-Stil ist. So ist sein missglückter Versuch einer Persiflage genau das, was der französische Originaltitel im negativen Sinne bedeutet: ein Popanz.
